Praktische Prüfung zum Sportbootführerschein: so läuft der Prüfungstag ab

Auf dem Wasser wird eine feste Liste abgefragt: Pflichtmanöver, bis zu drei weitere Manöver und bis zu sieben Knoten. Für jede Aufgabe hast du zwei Versuche.

Felix Schoberwalter Von Felix Schoberwalter Aktualisiert am 2. Oktober 2026 8 Min. Lesezeit
9:39
Blick über die Schulter einer Person am Steuerstand eines Motorboots: beide Hände am Steuerrad, dahinter Instrumente, Windschutzscheibe und ein bewaldetes Ufer

Das Wichtigste in Kürze

  • Die praktische Prüfung zum Sportbootführerschein hat einen Fahrteil mit Pflichtmanövern und sonstigen Manövern und einen Knotenteil.
  • Für jedes Manöver und jeden Knoten hast du zwei Versuche.
  • Alle Pflichtmanöver müssen ausreichend sein: drei bei Binnen unter Motor, fünf bei See. Von bis zu drei sonstigen Manövern müssen zwei klappen.
  • Von bis zu sieben verlangten Knoten musst du sechs richtig legen und ihre Verwendung richtig erklären.
  • Bewertet wird nur mit ausreichend oder nicht ausreichend, ohne Punkte und ohne Note.
  • Wer den SBF See und den SBF Binnen unter Motor macht, fährt nur eine praktische Prüfung, die für See.
  • Das Prüfungsboot mit Bootsführer stellst du, etwa über deine Ausbildungsstätte. Der Prüfungsausschuss stellt keins.

Was auf dem Wasser geprüft wird

Die Aufgaben stehen in einem amtlichen Protokoll. Ankern gehört nicht dazu, ebenso wenig eine Prüfung als Rudergänger oder bestimmte Kommandos.

Im Fahrteil zeigst du Manöver, im Knotenteil legst du Knoten und sagst, wofür sie da sind. Jede Aufgabe bekommt je Versuch ein ausreichend oder nicht ausreichend. Am Ende steht je Antriebsart bestanden oder nicht bestanden.

Das alles gilt für den deutschen Sportbootführerschein, die Schweiz prüft nach eigenen Regeln.

Vom Antrag bis zum Ergebnis

Die Schritte gelten für Prüfungen bei einem Ausschuss von DSV oder DMYV.

  1. Prüfungsausschuss wählen und Antrag stellen

    Bei welchem Prüfungsausschuss du prüfst, entscheidest du selbst. Der vollständige Antrag muss spätestens eine Woche vor dem Termin dort liegen, schriftlich oder online über das Verwaltungsportal des Bundes. Dazu gehören ein Passbild 35 x 45 Millimeter ohne Kopfbedeckung und eine Kopie deines Kfz-Führerscheins. Hast du keinen, kann der Ausschuss ein Führungszeugnis verlangen. Das ärztliche Zeugnis schickt der Arzt im verschlossenen Umschlag direkt an den Ausschuss. Unter 18 brauchst du die Zustimmung deiner Eltern. Mit dem Bürokratie-Service von BootsschuleX füllen wir den Antrag mit deinen Angaben aus, du schickst ihn nur noch ab.

    Wichtig: Zugelassen wirst du erst, wenn die Unterlagen vollständig sind und der Gebührenvorschuss bezahlt ist.

  2. Einladung und Startzeit abwarten

    Eine eigene Zulassung bekommst du nicht immer, sie kann in der Einladung stecken. Die genaue Startzeit schicken viele Ausschüsse erst einen Tag bis eine Woche vorher per E-Mail. Sie kann um mehrere Stunden von der angekündigten Zeit abweichen, halt dir also den ganzen Tag frei.

    Wichtig: Mit dem ersten Prüfungsteil, zu dem du antrittst, beginnt eine Frist von einem Jahr. Bis dahin müssen alle Teile bestanden sein.

  3. Am Prüfungstag mitbringen

    Du brauchst deinen Personalausweis oder einen anderen Ausweis, den Kfz-Führerschein im Original, wenn du ihn als Nachweis eingereicht hast, und jeden Sportbootführerschein, den du schon hast, ebenfalls im Original. Dazu kommt das Prüfungsboot mit Bootsführer, wenn es nicht deine Ausbildungsstätte stellt. Geprüft wird nur auf Deutsch.

    Typischer Fehler: Der Sportbootführerschein, der dich von Prüfungsteilen befreit, liegt zu Hause. Er muss vor Beginn der Prüfung im Original vorliegen.

  4. Fahrteil

    Der Prüfer sitzt mit an Bord und sagt an, welches Manöver du fährst. Nur bei Prüfungen unter Segel darf er, soweit möglich, auch vom Ufer, von einem Steg oder von einem anderen Boot aus anweisen. Eine Reihenfolge der Manöver legt die Verordnung nicht fest. Die zwei Versuche hast du für jedes Manöver einzeln.

  5. Knotenteil

    Der Prüfer wählt aus, welche Knoten du legst, und du sagst zu jedem, wofür er gebraucht wird. Wann im Ablauf die Knoten drankommen, legt die Verordnung nicht fest.

    Wichtig: Ein sauber gelegter Knoten zählt nur, wenn du auch seine Verwendung richtig erklärst.

  6. Ergebnis

    Prüfen mehrere, entscheidet die Mehrheit, bei Gleichstand der Vorsitzende. Bestehst du einen Teil nicht, erfährst du das innerhalb von 72 Stunden; danach kommt ein schriftlicher Bescheid mit Begründung. Nach dem Bestehen kannst du einen vorläufigen Schein beantragen, der drei Monate gilt. Die Karte schickt dir die Bundesdruckerei.

Welche Manöver in welcher Prüfung verlangt werden

Prüfungsteil Binnen mit Motor Binnen unter Segel See, nur mit Motor
Pflichtmanöver Rettungsmanöver Mensch über Bord, Anlegen, Ablegen Rettungsmanöver Mensch über Bord, Anlegen und Ablegen, alles unter Segel Rettungsmanöver Mensch über Bord, Anlegen, Ablegen, Steuern nach Kompass, einfache Peilung oder Kreuzpeilung
Anzahl Pflichtmanöver 3 3 5
Sonstige Manöver, fünf möglich Kursgerechtes Aufstoppen, Wenden auf engem Raum, Steuern nach Schifffahrtszeichen oder Landmarken, Rettungsweste oder Sicherheitsgurt anlegen, ein Manöverschallsignal Segel setzen und bergen, Wende und Halse, Anluven und Abfallen, Steuern nach Wind oder Schifffahrtszeichen, Rettungsweste oder Sicherheitsgurt anlegen wie Binnen mit Motor
Sonstige Manöver, verlangt und nötig bis zu 3 verlangt, 2 müssen klappen bis zu 3 verlangt, 2 müssen klappen bis zu 3 verlangt, 2 müssen klappen
Knoten bis zu 7 von 9 verlangt, 6 müssen sitzen bis zu 7 von 9 verlangt, 6 müssen sitzen bis zu 7 von 9 verlangt, 6 müssen sitzen
Kompass an Bord keine Pflicht keine Pflicht Pflicht
Prüfer an Bord ja nicht zwingend ja
Versuche je Aufgabe 2 2 2
So steht es im Praxisprotokoll der Sportbootführerscheinverordnung, Kompass und Prüfer an Bord in den Anforderungen an das Prüfungsboot. Für die See gibt es keine Prüfung unter Segel.

Was hinter den Manövern steckt

Peilen heißt, die Richtung zu einem festen Punkt zu bestimmen. Bei der Kreuzpeilung peilst du zwei Punkte an und bekommst daraus deinen eigenen Standort. Beides und das Steuern nach Kompass werden nur in der Prüfung für die See verlangt.

Beim kursgerechten Aufstoppen bringst du das Boot mit Rückwärtsschub zum Stehen, ohne vom Kurs abzukommen. Beim Manöverschallsignal gibst du eins von drei Signalen, mit denen du anderen eine Kursänderung oder Rückwärtsfahrt ankündigst. Beim Aufstoppen und beim Wenden auf engem Raum zieht das Heck zur Seite, sobald du den Rückwärtsgang einlegst. Wohin dieser Radeffekt zieht, hängt von der Drehrichtung deines Propellers ab.

Einhebelschaltung am Seitenpult eines offenen Motorboots in Leerlaufstellung, dahinter unscharf Steuerrad und Instrumente, davor ruhiges Wasser
Einhebelschaltung in Leerlaufstellung. Über denselben Hebel kommt beim Aufstoppen der Rückwärtsschub.

Wo Fehler erlaubt sind und wo nicht

Jedes Pflichtmanöver muss ausreichend sein, bei den sonstigen Manövern darf eins ausfallen. Weil du für jedes Manöver zwei Versuche hast, beendet ein misslungenes Anlegemanöver die Prüfung noch nicht. Fährst du ein Pflichtmanöver aber zweimal nicht ausreichend, hast du den praktischen Teil nicht bestanden, egal wie der Rest lief.

Üb deshalb vor allem das Rettungsmanöver Mensch über Bord und das Anlegen und Ablegen, für die See dazu Kompasssteuern und Peilen. Wer unter Segel antritt, hat eine andere Liste vor sich; mehr dazu im Ratgeber zum Segelschein Binnen.

Welche sonstigen Manöver kommen, sagt dir vorher niemand. Deshalb muss die Ausrüstung für alle fünf an Bord sein, also auch eine Rettungsweste zum Anlegen und ein funktionierendes Signalhorn.

Der Knotenteil: sieben von neun

Welche Knoten du legst, entscheidet die Prüfungskommission. Kannst du drei der neun nicht und werden sieben gefragt, bestehst du nur, wenn zwei davon gar nicht drankommen. Bei einer zufälligen Auswahl wäre das einer von zwölf Fällen.

Manche Übersichten zählen zehn Knoten, weil sie den einfachen und den doppelten Schotstek getrennt aufführen. Im amtlichen Protokoll ist das eine Position. Der letzte Knoten der Liste braucht eine Klampe, den Beschlag an Deck, auf dem eine Leine belegt wird.

Jeder Name in der Liste führt zu einer Anleitung Schritt für Schritt, alle zusammen zeigt die Knotenseite.

Die neun Knoten und wofür sie da sind

  • Achtknoten: verdickt das Leinenende, damit es nicht durchrutscht
  • Kreuzknoten: verbindet zwei gleich dicke Leinen
  • Palstek: das Auge, das unter Last nicht zuzieht und sich danach wieder öffnen lässt
  • Einfacher oder doppelter Schotstek: verbindet zwei unterschiedlich dicke Leinen
  • Stopperstek: befestigt eine dünne Leine auf einer dicken und lässt sich ohne Last verschieben
  • Webleinstek: der schnelle Schlag um Stange, Reling oder Fender
  • Webleinstek auf Slip: derselbe Schlag, aber mit einer Bucht gelegt, sodass er sich mit einem Zug löst
  • Rundtörn mit zwei halben Schlägen: nimmt den Zug von den Schlägen und hält an Ring oder Stange
  • Belegen einer Klampe mit Kopfschlag: Kreuzschläge und Kopfschlag, damit der Festmacher hält und sich nicht verklemmt

Das Prüfungsboot

Der Prüfungsausschuss stellt kein Boot. Du bringst ein geeignetes Sportboot mit Bootsführer mit, ein eigenes oder eines deiner Ausbildungsstätte. Der Bootsführer braucht die passende Fahrerlaubnis. Bei Prüfungen unter Segel muss er nur dort an Bord sein, wo auf dem Gewässer eine Fahrerlaubnispflicht besteht.

Bei einer Prüfung mit Motor muss das Boot mehr als 11,03 Kilowatt leisten, also mehr als 15 PS, mit Elektromotor mehr als 7,5 Kilowatt im Dauerbetrieb. Das gilt auch auf dem Rhein. Ein Boot mit genau 15 PS reicht also nicht. Bis zu dieser Leistung darfst du ohne Schein fahren. Welche Antriebe es gibt und was sie im Manöver ändern, steht im Antriebsvergleich.

Die Prüfungskommission kann ein Boot ablehnen, wenn es nicht verkehrssicher ist, wenn es nach Bauart, Sicherheitsausrüstung, Größe oder Tragfähigkeit nicht passt oder wenn ihm etwas für die Manöver fehlt. Was sonst an Bord gehört, zeigt der Ratgeber zur Sicherheitsausrüstung.

Was am Prüfungstag an Bord sein muss

  • Ein verkehrssicheres Boot, das nach Bauart, Sicherheitsausrüstung, Größe und Tragfähigkeit für die Prüfung passt
  • Ein Bootsführer mit der passenden Fahrerlaubnis
  • Platz für dich, den Bootsführer und mindestens ein Mitglied der Prüfungskommission
  • Eine Rettungsweste für jede Person an Bord, Prüfer und Bootsführer eingerechnet
  • Bei der Prüfung für die See ein Kompass
  • Die Ausrüstung für jedes Manöver, das verlangt werden kann, etwa Signalhorn und Rettungsweste zum Anlegen

Am Prüfungstag

So gehst du hin

  • Ausweis und Originale am Abend vorher einpacken
  • Den ganzen Tag einplanen, weil sich die Startzeit verschieben kann
  • Rettungswesten nach Personen an Bord zählen, Prüfer und Bootsführer mit
  • Zu jedem Knoten einen Satz parat haben, der die Verwendung nennt
  • Nach einem misslungenen ersten Versuch den zweiten ruhig fahren
  • Vorher fragen, mit welchem Hilfsmittel und von welcher Seite das Rettungsmanöver vor Ort gefahren wird

So geht es schief

  • Mit einem Boot antreten, dessen Motor genau an der Leistungsgrenze liegt
  • Nur die sechs Knoten üben, die man am besten kann
  • Knoten legen, ohne die Verwendung sagen zu können
  • Familie oder Freunde zum Zuschauen mitbringen
  • Den Praxistermin in die letzten Wochen der Jahresfrist legen

Wenn die Praxis nicht reicht

Fällst du in der Praxis durch, wiederholst du nur diesen Teil, frühestens an einem anderen Tag. Eine Obergrenze für die Zahl der Versuche und eine Sperrfrist über diesen Tag hinaus gibt es beim Sportbootführerschein nicht. Längere Wartezeiten, die man im Netz liest, gelten für andere Scheine wie das SRC oder den SKS.

Die Gebühr für den wiederholten Teil zahlst du noch einmal: 40,29 Euro für die Praxis Binnen, 47,62 Euro für die Praxis See, Stand Oktober 2026. Wechselst du dafür den Ausschuss, fällt auch die Zulassungsgebühr noch einmal an. Die Gesamtkosten des Scheins findest du im Ratgeber zu den Kosten.

Läuft die Jahresfrist ab, bevor alles bestanden ist, verfallen auch die bestandenen Teile. Dann legst du alle Teile neu ab.

Erscheinst du zu einem Termin nicht, wird eine Gebühr in Höhe der beantragten Leistung fällig, höchstens 25 Euro. Mehrere Ausschüsse behandeln auch eine kurzfristige Absage so, mit unterschiedlichen Fristen. Hast du einen vorläufigen Schein beantragt und bestehst nicht, bekommst du dessen Gebühr nicht zurück.

Zwei Scheine, eine Praxisprüfung

Machst du SBF See und SBF Binnen unter Motor zusammen, fährst du nur die praktische Prüfung für See. Sie gilt auch für Binnen.

Hast du den SBF Binnen unter Motor schon und legst See nach, fährst du nur die fünf Pflichtmanöver. Sonstige Manöver und Knoten fallen weg, Mensch über Bord, Anlegen und Ablegen fährst du aber noch einmal. Neu dazu kommen Kompasssteuern und Peilen.

Machst du Binnen unter Motor und unter Segel, legst du die Knoten nur einmal. Die Segelpraxis kostet als Ergänzung am selben Tag 19,69 Euro statt 40,29 Euro an einem anderen Tag.

Wie die Kombination aus Binnen und See sonst abläuft, steht im Ratgeber zum Sportbootschein für Binnen und See. Wo du mit dem SBF See danach fahren darfst, erklärt der Ratgeber Was darf ich mit dem SBF See fahren?

Häufige Fragen zur praktischen Prüfung

Die Verordnung legt keine Dauer fest. Rechne mit Wartezeit: Mehrere Prüfungsausschüsse weisen darauf hin, dass die Startzeit um Stunden von der angekündigten abweichen kann.

Nein. Die Teilprüfungen dürfen zu verschiedenen Zeitpunkten stattfinden, eine Reihenfolge schreibt die Verordnung nicht vor. Den Termin legt der Prüfungsausschuss fest.

Nein. Prüfen darf dich niemand, der dich selbst geschult hat, und auch niemand, der zu deiner Ausbildungsstätte gehört.

Nein, die Prüfungen sind nicht öffentlich. Beaufsichtigen dürfen sie nur Vertreter der zuständigen Behörden.

Nein. Die Prüfungen zum Sportbootführerschein werden nur auf Deutsch abgenommen.

Eine Fahrerlaubnis unter Segel verlangt die Verordnung nur auf bestimmten Gewässern in und um Berlin, ab mehr als 6 Quadratmetern Segelfläche. Zeuthener See und Dämeritzsee sind ausgenommen. Für Gewässer, die keine Bundeswasserstraßen sind, gilt eigenes Recht, am Bodensee etwa ein eigenes Patent.

Die Fahrerlaubnis gibt es mit Motor ab 16 Jahren, unter Segel ab 14. Zur Prüfung zulassen kann dich der Ausschuss nach Angabe des DSV schon drei Monate vorher.

Nein, wenn ein anderer Staat es nach der Resolution Nummer 40 der UNECE ausgestellt hat. Dann bist du für diese Antriebsart und dieses Revier von der praktischen Prüfung befreit, die Theorie legst du trotzdem ab.

Quellen: Sportbootführerscheinverordnung, Anlagen 4 und 5 ELWIS: Sportbootführerscheine DSV und DMYV: Sportbootführerschein DSV und DMYV: Fragen zu Prüfungen Stand Oktober 2026. Gebühren inklusive Mehrwertsteuer laut DSV.

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