Das Wichtigste in Kürze
- Anlegen und Ablegen sind Pflichtmanöver der praktischen Sportbootführerschein-Prüfung mit Antriebsmaschine. Unter Segel gilt das nur für die Prüfung auf Binnenschifffahrtsstraßen.
- Pro Manöver hast du zwei Versuche, und jedes Pflichtmanöver muss ausreichend gelingen.
- Empfohlen ist ein möglichst spitzer Anlaufwinkel. Eine feste Gradzahl gibt es nicht zu lernen, der Fragenkatalog nennt keine.
- Angelegt wird möglichst gegen Strom und Wind, weil sich das Fahrzeug dabei sicherer manövrieren lässt.
- Bei einem rechtsdrehenden Propeller ist die Backbordseite die empfohlene Anlegeseite: der Radeffekt zieht das Fahrzeug an die Pier.
- Beim Ablegen bist du der Wartepflichtige. Wer schon im Fahrwasser fährt, hat Vorfahrt.
- Welche Leine zuerst an Land geht, ist dir überlassen. Verlangt ist nur das Ergebnis: ein Boot, das am Ende sicher liegt.
- Rückwärts in die Box musst du in der Prüfung nicht fürchten: als eigenes Manöver steht sie nicht im Prüfprotokoll.
Geschwindigkeit, Richtung, Winkel
Beim Anlegen musst du langsamer werden, aber nicht beliebig langsam: langsam genug, dass dein Sog und Wellenschlag niemanden an den festgemachten Booten stört, und schnell genug, dass dein Ruder noch greift. Die Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung verlangt genau das: Geschwindigkeit rechtzeitig vermindern, „jedoch nicht unter das Maß, das zu seiner sicheren Steuerung notwendig ist“. Auf Seeschifffahrtsstraßen gilt dasselbe.
Rechtzeitig heißt: spätestens vor der Hafeneinmündung. Dieselbe Pflicht gilt überall dort, wo Boote liegen oder ein Schild am Ufer vor Sog und Wellenschlag warnt.
Lauf möglichst gegen Strom und Wind an. Die amtliche Begründung: „Weil sich das Fahrzeug dabei sicherer manövrieren lässt.“ Gegen Strom und Wind hast du Fahrt durch das Wasser und damit Ruderwirkung, während du über Grund fast stehst. Kommen Wind und Strom aus verschiedenen Richtungen, richtest du dich nach dem Stärkeren - im Fluss ist das fast immer der Strom, im Hafenbecken oft der Wind.
Der Winkel soll möglichst spitz sein, und das ist alles, was du dir merken musst. Eine Gradzahl gibt es nicht zu lernen: der Fragenkatalog nennt keine, und in der Prüfungsfrage nach dem günstigsten Anlaufwinkel sind „90 bis 100 Grad“, „60 bis 70 Grad“ und „möglichst stumpf“ die falschen Antworten. Wer 30 oder 45 Grad gelernt hat, hat eine Zahl gelernt, die niemand von ihm verlangt.
Die Wörter, die am Steg fallen
Diese Begriffe stehen in keiner Verordnung. Die Vorschriften sprechen nur von Festmachen, von Befestigungsmitteln und von Tauen. Am Steg benutzt sie trotzdem jeder.
- Vorleine
- Leine vom Bug nach vorn an Land. Hält den Bug am Steg.
- Achterleine
- Leine vom Heck nach hinten an Land. Hält das Heck am Steg.
- Spring
- Leine schräg nach vorn oder hinten. Verhindert, dass das Boot am Steg vor- oder zurückwandert.
- Fender
- Gepolsterter Körper zwischen Bordwand und Steg. In der Schleuse muss er schwimmfähig sein, wenn er nicht fest mit dem Boot verbunden ist.
- Klampe
- Beschlag an Deck, auf dem eine Leine belegt wird.
- Poller
- Fester Pfosten an Land oder in der Schleusenkammer zum Festmachen.
- Radeffekt
- Seitliche Wirkung des Propellers, die das Heck zu einer Seite dreht.
Längsseits anlegen: der Ablauf
Einen vorgeschriebenen Manöverablauf gibt es nicht - so greifen die Schritte am Steg ineinander.
-
Geschwindigkeit vermindern
Vor der Hafeneinmündung und in der Nähe liegender Boote langsamer werden, bevor du den Liegeplatz erreichst. Rechtzeitig heißt hier: bevor du dort bist, nicht wenn du dort bist. Ein Boot hat keine Bremse, es verliert Fahrt über eine Strecke, und diese Strecke ist bei jedem Rumpf anders. Ein schwerer Verdränger läuft weit, ein leichtes Sportboot deutlich kürzer. Wer die Maschine erst am Liegeplatz zurücknimmt, kommt mit Fahrt an und muss den Rest mit dem Rückwärtsgang wegnehmen. Genau dann arbeitet der Radeffekt am stärksten, denn ein kräftiger Rückwärtsschub zieht auch kräftig zur Seite.
Wichtig: Zu langsam ist genauso falsch wie zu schnell: strömt kein Wasser am Ruderblatt vorbei, lenkt das Boot nicht mehr.
-
Liegeplatz aussuchen
So nahe am Ufer, wie Tiefgang und örtliche Verhältnisse es zulassen, und ohne die Schifffahrt zu behindern. Nicht in einer Hafeneinfahrt oder Ausfahrt, nicht in der Fahrlinie einer Fähre, nicht in einer Fahrwasserenge. Such ihn dir aus, solange du noch Abstand hast. Von weitem siehst du, wo eine Lücke wirklich lang genug ist, wo Poller oder Klampen sitzen und von welcher Seite Wind und Strom kommen. Aus zwei Bootslängen Entfernung siehst du das alles nicht mehr und nimmst, was gerade frei ist.
Wichtig: Der Platz selbst kann verboten sein: Stillliegen ist auch dort untersagt, wo ein anderes Fahrzeug beim Anlegen an eine Landebrücke oder beim Abfahren durchmuss.
-
Fender und Leinen klarlegen
Fender an die Seite, die zum Steg zeigt, Leinen an Bug und Heck bereit. Das ist der letzte Schritt, den du in Ruhe machen kannst. Ab dem Anlaufen bist du mit Fahrt und Ruder beschäftigt, und wer dann noch Fender aus der Backskiste holt, hat für das Manöver niemanden mehr übrig. Die Fender gehören auf die Höhe, in der die Bordwand den Steg trifft, also eher tief bei einem hohen Steg und eher hoch bei einem niedrigen.
Typischer Fehler: Die Fender sind noch nicht draußen, wenn der Steg schon neben dem Boot ist.
-
Anlaufen
Möglichst spitzer Winkel, möglichst gegen Strom und Wind. Bei einem rechtsdrehenden Propeller ist die Backbordseite die empfohlene Anlegeseite. Der spitze Winkel spart dir die Drehung am Ende. Läufst du fast parallel an, liegt der Steg über die letzten Meter neben dir, und es bleibt kaum etwas zu drehen. Läufst du steil an, stehst du am Ende quer vor dem Steg und musst dort noch drehen. Dafür brauchst du Ruderwirkung, dafür Fahrt, und Fahrt ist das Letzte, was du dicht vor dem Steg willst.
Typischer Fehler: Der Anlauf ist zu steil, das Boot kommt quer vor dem Steg zum Stehen und wird mit Vor- und Rückwärtsschüben hineingedreht.
-
Die letzten Meter: Gang raus, Ruder vom Steg weg, dann aufstoppen
Kurz vor dem Platz nimmst du den Gang heraus und lässt das Boot ausrollen; wie früh, hängt daran, wie weit dein Boot läuft. Jetzt das Ruder vom Steg weg drehen: der Bug schwenkt ab, das Heck kommt heran, und das Boot legt sich parallel. Liegt es parallel, Ruder zum Steg und ein kurzer Stoß rückwärts zum Aufstoppen. Bei fester Welle mit Ruderblatt zieht dabei der Radeffekt das Heck an den Steg, bei Außenborder oder Z-Antrieb der zum Steg geschwenkte Schub. So zeigt es die Praxisausbildung - in welcher Reihenfolge und wie kräftig, hängt an deinem Boot, also frag deinen Ausbilder danach. Zwischen Vorwärts- und Rückwärtsgang immer kurz durch den Leerlauf, sonst leidet das Getriebe.
Typischer Fehler: Das Ruder bleibt gerade, das Boot rollt in seinem Anlaufwinkel weiter, und der Bug trifft den Steg, bevor ein Fender dazwischen ist.
-
Festmachen und von Bord gehen
So, dass die Lage des Bootes sich nicht in einer Weise verändern kann, die andere gefährdet oder behindert. Zu berücksichtigen sind ausdrücklich Wind, Wasserstandsschwankungen sowie Sog und Wellenschlag. Das ist mehr als ein fester Knoten: das Boot muss auch dann noch sicher liegen, wenn sich etwas ändert - wenn der Wind dreht, wenn ein Frachter Sog mitbringt, und wenn der Wasserstand steigt oder fällt. Wer bei Tidenhub straff festmacht, findet sein Boot bei Niedrigwasser an den Leinen hängen. An Land gehst du danach nur über einen sicheren Zugang: zwischen Bordwand und Steg steht Wasser, beide Kanten sind nass, und wer springt, springt von etwas ab, das im selben Moment wegtreibt.
Typischer Fehler: Die Leine wird auf der Klampe verknotet statt belegt.
Wind zum Steg oder vom Steg: die zwei Lagen, die alles ändern
Der Ablauf oben beschreibt das Manöver bei ruhigem Wetter. Sobald Wind steht, entscheidet seine Richtung relativ zum Steg darüber, wie du anläufst - und die beiden Lagen verlangen Gegenteiliges.
Drückt der Wind auf den Steg, erledigt er das letzte Stück für dich. Du läufst flacher an als sonst, stoppst früher auf und kommst parallel mit etwas Abstand zum Stehen. Den Rest macht der Wind: er setzt das Boot auf ganzer Länge an den Steg. Deine Arbeit ist hier das frühe Aufstoppen und die früh gehängten Fender, denn das Aufsetzen kommt sicher - die Frage ist nur, wie sanft.
Drückt der Wind vom Steg weg, treibt das Boot ab, sobald die Fahrt heraus ist. Deshalb läufst du etwas steiler an als sonst, damit der Bug wirklich ankommt, und bringst die Vorleine früh an Land. Erst wenn sie fest ist, arbeitest du das Heck heran. Wer bei Wind vom Steg so flach anläuft wie bei ruhigem Wetter, steht eine Bootslänge vor dem Steg parallel - und treibt dann rückwärts wieder weg.
Beide Lagen werden in der Praxisausbildung geübt. Wie dein Ausbilder sie im Detail fährt, hängt an Revier und Boot - frag nach seiner Reihenfolge, bevor du zum ersten Mal anlegst.
Warum die Backbordseite empfohlen ist
Wenn du zum Bremsen den Rückwärtsgang einlegst, läuft das Boot nicht gerade nach hinten: das Heck wandert zur Seite. Das ist der Radeffekt, und er ist eine Wirkung des Propellers, nicht des Ruders. Er setzt in dem Moment ein, in dem du aufstoppst - also genau in den letzten Metern am Steg. Deshalb hängt die Wahl der Anlegeseite an ihm.
Welche Seite das ist, hängt an der Drehrichtung des Propellers. Rechtsdrehend heißt: von achtern gesehen dreht er bei Fahrt vorwärts im Uhrzeigersinn. Von achtern heißt so, wie ein Boot dich sieht, das in deinem Kielwasser folgt. Wer stattdessen von vorne auf den Propeller schaut, bekommt das genaue Spiegelbild und vertauscht damit alles, was danach kommt.
Bei einem rechtsdrehenden Propeller dreht das Heck im Rückwärtsgang nach Backbord. Deshalb ist die Backbordseite die empfohlene Anlegeseite: beim Aufstoppen führt diese Bewegung zum Steg hin und nicht von ihm weg. Der Radeffekt erledigt damit das letzte Stück Drehung, für das du sonst Ruder und Fahrt bräuchtest. Häufig wird es umgekehrt gelernt - Heck nach Steuerbord, also steuerbord anlegen. Amtlich ist beides andersherum, und in der Theorieprüfung kommen beide Fragen vor.
Ist nur die andere Seite frei, legst du dort an. Es ist dann aber ein anderes Manöver: früher und feiner aufstoppen, lieber in mehreren kurzen Stößen als in einem langen, und damit rechnen, dass zwischen Heck und Steg eine Lücke bleibt. Die schließt du mit den Leinen und nicht mit einem weiteren Schub.
Wie stark das alles ausfällt, hängt vom Antrieb ab. Die Herleitung gilt für ein Boot mit fest eingebauter Welle und Ruderblatt. Ein Außenborder und ein Z-Antrieb schwenken ihren Schub mit und antworten rückwärts sofort, und der Radeffekt bleibt dort klein - was der Antrieb im Manöver ändert, steht im Antriebe-Vergleich.
Rückwärts kommt die Ruderwirkung spät. Ein Ruderblatt lenkt nur, wenn Wasser daran vorbeiströmt. Vorwärts liefert der Propeller diese Strömung selbst, er bläst sein Wasser nach hinten gegen das Ruder. Rückwärts bläst er nach vorn, und das Ruder bekommt erst etwas ab, wenn das Boot wirklich rückwärts durchs Wasser fährt. Bis dahin wirkt nur der Radeffekt. Wer rückwärts hart gegensteuert und sich wundert, dass nichts passiert, hat nicht falsch gesteuert, sondern zu früh. Woher der Effekt kommt und wie du die Drehrichtung deines eigenen Bootes herausfindest, steht im Ratgeber zum Radeffekt.
Ablegen: du bist der Wartepflichtige
Vorrang hat nicht, wer schon losgemacht hat, sondern wer schon fährt. Auf Seeschifffahrtsstraßen haben die Fahrzeuge Vorfahrt, die dem Fahrwasserverlauf folgen - gegenüber allen, die in das Fahrwasser einlaufen, es queren, darin drehen oder ihren Anker- oder Liegeplatz verlassen. Binnen läuft dasselbe über eine Vergewisserungspflicht: Erst wenn der übrige Verkehr es ohne Gefahr zulässt und kein anderes Fahrzeug gezwungen wird, unvermittelt Kurs oder Geschwindigkeit zu ändern, darfst du ablegen.
Warten heißt: Geschwindigkeit mindern, stoppen, rückwärts gehen oder frühzeitig und durchgreifend den Kurs ändern. Das wartepflichtige Fahrzeug muss rechtzeitig durch sein Fahrverhalten erkennen lassen, dass es warten wird. Weiterfahren darf es erst, wenn es überblicken kann, dass die Schifffahrt nicht beeinträchtigt wird.
Auf die große Schifffahrt kannst du dich dabei nicht verlassen. Dein Sportboot ist binnen ein Kleinfahrzeug: dazu zählt jedes Fahrzeug mit einem Schiffskörper unter 20 Metern, mit wenigen Ausnahmen wie Fähren. Gegenüber einem Kleinfahrzeug muss ein größeres Fahrzeug die Vorschriften über das Verhalten vor der Abfahrt nicht anwenden. Und ein Kleinfahrzeug kann nicht verlangen, dass ihm ein Fahrzeug ausweicht.
Beim Anlegen ist es auf See anders: Hat ein Fahrzeug mit dem Anlegen begonnen, muss die übrige Schifffahrt das berücksichtigen und mit der gebotenen Vorsicht navigieren, ohne Ausnahme für kleine Boote. Ein Vorfahrtsrecht wird daraus nicht: die Vorfahrtregel für das Fahrwasser gilt weiter. Wer im übrigen Begegnungsverkehr wem ausweicht, steht im Ratgeber zu den Ausweichregeln.
Ablegen: der Ablauf
Auch hier gibt es keinen vorgeschriebenen Manöverablauf. Vorgeschrieben sind die Pflichten - die Reihenfolge hier ist die, in der die Handgriffe ineinandergreifen.
-
Nach hinten und zur Seite sehen
Bevor du irgendeine Leine löst, siehst du nach, was auf dem Wasser unterwegs ist. Du bist der Wartepflichtige, und diese Pflicht beginnt vor der ersten Leine. Wer zuerst losmacht und dann schaut, steht ohne Leinen am Steg und muss trotzdem warten - nur ohne die Verbindung, die ihn dort gehalten hat.
Wichtig: Der tote Winkel liegt hinter dem eigenen Aufbau. Aus dem Cockpit siehst du die Seite nicht, aus der ein anderes Boot kommt.
-
Maschine an, bevor die Leinen fallen
Die Maschine läuft und ist bereit zum Einkuppeln, solange das Boot noch fest ist. Sieh vorher nach, ob eine Leine im Wasser liegt: sie geht in den Propeller. Ein Boot ohne Leinen und ohne Antrieb treibt dorthin, wohin Wind und Strom es schieben, und das ist am Steg fast immer das Nachbarboot.
Typischer Fehler: Der Motor wird erst gestartet, wenn das Boot schon lose ist, und springt dann nicht an.
-
Leinen lösen, eine bleibt bis zuletzt
Erst die Leinen, die das Boot in diesem Moment nicht mehr halten müssen. Eine Leine bleibt, bis das Boot unter Kontrolle ist. Welche das ist, entscheidet die Richtung, aus der Wind und Strom drücken: es bleibt die Leine, die gegen diesen Druck arbeitet. Treibt es dich ohnehin vom Steg weg, brauchst du sie nur kurz. Drückt es dich an den Steg, ist es die Vorspring, und was du mit ihr machst, steht im nächsten Abschnitt.
Wichtig: Bei Wasserstandsschwankungen zuerst prüfen, ob die Leinen überhaupt noch lose zu bekommen sind.
-
Erkennen lassen, dass du wartest
Kommt jemand, wartest du - und zwar sichtbar. Ein Boot, das halb am Steg steht und sich nicht rührt, ist für den anderen nicht zu deuten. Muss ein anderes Fahrzeug wegen dir Kurs oder Geschwindigkeit ändern, gehört binnen ein Schallzeichen dazu: ein kurzer Ton für Kurs nach Steuerbord, zwei kurze für Backbord. Auf Seeschifffahrtsstraßen ist beim Verlassen von Liege- und Ankerplätzen ein langer Ton als Achtungssignal vorgesehen.
-
Ablegen und erst danach aufräumen
Fender und Leinen bleiben draußen, bis du frei bist. Sie kosten nichts, solange du noch neben dem Steg fährst, und sie sind das Einzige zwischen Bordwand und Kante, falls das Manöver doch nicht auf Anhieb klappt. Einholen kannst du, wenn zwischen dir und allem anderen Wasser steht.
Typischer Fehler: Die Fender werden eingeholt, während das Boot noch am Steg entlangfährt.
Wenn der Wind dich an den Steg drückt: Eindampfen in die Vorspring
Drückt der Wind das Boot an den Steg, kommst du mit Losmachen und Hoffen nicht weg: kaum sind die Leinen los, liegt das Boot wieder an. Für diesen Fall lehrt die Praxisausbildung ein Manöver mit einem altmodischen Namen: das Eindampfen in die Vorspring. Beide Wörter lassen sich übersetzen. Eindampfen heißt, mit laufender Maschine gegen eine Leine zu arbeiten, die noch fest ist. Und die Vorspring ist genau diese Leine: sie führt vom Bug schräg nach hinten an Land und verhindert, dass das Boot nach vorne wandert.
So läuft es ab. Alle Leinen kommen los, nur die Vorspring bleibt fest. Dann hängst du einen Fender zwischen Bug und Steg - warum, zeigt der nächste Schritt. Jetzt legst du den Vorwärtsgang ein und gibst ganz wenig Gas. Das Boot will nach vorne, aber nach wenigen Zentimetern wird die Vorspring straff und hält den Bug fest. Die Maschine schiebt trotzdem weiter, und diese Kraft muss irgendwohin: das Boot dreht sich um seinen festgehaltenen Bug. Der Bug drückt dabei gegen den Steg, dafür ist der Fender da. Und das Heck schwenkt langsam vom Steg weg, genau gegen den Wind, der es eben noch angedrückt hat.
Zeigt das Heck weit genug ins Freie, nimmst du das Gas weg, löst die Vorspring und fährst rückwärts hinaus. Erst mit Abstand zum Steg drehst du auf deinen Kurs. Mit einem Handgriff geht das auch allein: leg die Vorspring vorher um den Poller und mit dem Ende zurück an Bord, so wie in der Schleuse. Dann löst du sie vom Boot aus, und niemand muss an Land zurückbleiben. Auch dieses Manöver fährst du am besten einmal mit deinem Ausbilder, bevor du es allein brauchst.
Binnen und See: dieselben Manöver, andere Pflichten
| Punkt | Binnenschifffahrtsstraßen | Seeschifffahrtsstraßen |
|---|---|---|
| Schallzeichen beim Ablegen | Ein kurzer Ton für Kurs nach Steuerbord, zwei kurze Töne für Kurs nach Backbord | Ein langer Ton als Achtungssignal beim Verlassen von Liege- und Ankerplätzen |
| Aus dem Hafen heraus | Wenn andere ausweichen müssten: drei lange Töne, dazu ein kurzer Ton für Steuerbord oder zwei kurze für Backbord | Ein langer Ton beim Auslaufen; auf dem Nord-Ostsee-Kanal ein langer Ton westwärts, zwei lange Töne ostwärts |
| Anlegendes Boot | Vorbeifahrer müssen langsamer werden, gegenüber einem Kleinfahrzeug aber nicht | Ein begonnenes Anlegemanöver muss die übrige Schifffahrt berücksichtigen, ohne Ausnahme für Kleinfahrzeuge |
| Festmachen verboten an | Baum, Geländer, Pfahl, Grenzstein, Säule, Eisenleiter, Handlauf, auch zum Verholen | Sperrwerken, Strombauwerken, Leitwerken, Pegeln, festen und schwimmenden Schifffahrtszeichen |
| Geschwindigkeitsschild | Kilometer pro Stunde gegenüber dem Ufer, also über Grund | Bekanntgemachte Höchstgeschwindigkeit durch das Wasser, auf dem Nord-Ostsee-Kanal über Grund |
Am Steg: richtig und falsch
So machst du es
- Fender heraus und Leinen bereit, bevor der Steg neben dir ist
- Gegen Strom und Wind anlaufen, in möglichst spitzem Winkel
- Bei rechtsdrehendem Propeller die Backbordseite an den Steg legen
- Rückwärts warten, bis Wasser am Ruderblatt vorbeiströmt
- Die Leine auf der Klampe belegen, mit Kopfschlag
- Beim Festmachen an Wind, Wasserstand, Sog und Wellenschlag denken
- Vor dem Ablegen nach hinten sehen und, wenn es nötig ist, das Schallzeichen geben
So geht es schief
- So langsam anlaufen, dass das Ruder nicht mehr wirkt
- Mit stumpfem Winkel auf den Steg zufahren
- Die Leine auf der Klampe verknoten
- Die Hand zwischen eine laufende Leine und die Klampe bringen, oder zwischen Bordwand und Steg
- Am Baum, am Geländer oder an einer Eisenleiter festmachen
- Auf Seeschifffahrtsstraßen an einer Tonne festmachen
- Autoreifen als Fender in die Schleuse nehmen
- Damit rechnen, dass ein Frachter für dein Manöver langsamer wird
- Sich in den Kurs legen, den ein anderes Boot zum Anlegen oder Abfahren braucht
Der einzige Ort, an dem Fender vorgeschrieben sind
In der Schleusenkammer sind Fender vorgeschrieben, und sie müssen schwimmfähig sein, wenn sie nicht fest mit dem Boot verbunden sind. Autoreifen sind dort deshalb verboten: sie schwimmen nicht und führen in Schleusen zu erheblichen Störungen.
Während des Füllens und Leerens muss das Boot festgemacht sein. Die Leinen bedienst du dabei so, dass es nicht gegen Wand, Tor, Schutzvorrichtung oder ein anderes Fahrzeug stößt. Erst wenn das Boot zum Stillstand gekommen ist, darfst du einen Schwimmpoller belegen, also einen Poller, der mit dem Wasserstand auf- und abfährt. Nach dem Festmachen darfst du Maschine und Bugstrahlanlage nicht mehr benutzen, bis die Ausfahrt frei ist. Wie eine Schleusung von der Anmeldung bis zur Ausfahrt abläuft, steht im Ratgeber zur Schleusenfahrt.
Außerhalb der Schleuse gibt es keine Vorschrift über Zahl, Größe oder Höhe der Fender. Das ist Seemannschaft.
Was die Praxisprüfung verlangt
Anlegen und Ablegen sind Pflichtmanöver, zusammen mit dem Rettungsmanöver für einen Menschen über Bord. Binnen mit Antriebsmaschine sind es diese drei. Für den Geltungsbereich Seeschifffahrtsstraßen kommen Steuern nach Kompass und eine Peilung dazu, einfache oder Kreuzpeilung. Peilen heißt: die Richtung zu einem festen Punkt bestimmen. Unter Segel, also bei der Prüfung auf Binnenschifffahrtsstraßen mit Segelantrieb, sind es wieder drei: Rettungsmanöver, Anlegen und Ablegen.
Für jedes Manöver hast du zwei Versuche - ein misslungener erster Anlauf entscheidet also noch nichts. Jedes Pflichtmanöver muss am Ende ausreichend ausgeführt sein. Fällt eines nicht ausreichend aus, trägt der Prüfer eine Begründung in das Protokoll ein. Von den sonstigen Manövern kommen drei aus fünf möglichen dran, zwei davon müssen ausreichen. Dazu gehören kursgerechtes Aufstoppen, Wenden auf engem Raum, Steuern nach Schifffahrtszeichen oder Landmarken, das Anlegen einer Rettungsweste und ein Manöverschallsignal.
Rückwärts in die Box gehört nicht zu den Manövern, die das Protokoll beim Namen nennt. Verlangt werden ein Anlegen und ein Ablegen, dazu Wenden auf engem Raum als eines der fünf sonstigen Manöver; ein Bojenmanöver steht ebenfalls nicht darin. Den Prüfungsdruck kannst du dir bei der Box also sparen. Fürs Hafenleben bleibt sie trotzdem eine Fähigkeit, die sich zu üben lohnt - nur eben in Ruhe und nicht für ein Protokoll.
Die Knoten hängen an der Erklärung. Aus neun möglichen werden sieben verlangt, sechs müssen ausreichend ausgeführt und ihre Verwendung richtig erklärt werden. Wer einen Knoten bindet, aber nicht sagen kann, wozu er ihn braucht, erfüllt die Anforderung nicht. Einer der neun gehört unmittelbar zum Anlegen: das Belegen einer Klampe mit Kopfschlag. Das Protokoll führt die Knoten mit einem eigenen Unterschriftsfeld, getrennt von den Fahrmanövern.
Das Boot stellst du selbst, mit Bootsführer. Die Kommission darf es ablehnen, wenn die Ausrüstung für die Prüfungsmanöver fehlt - also auch wegen fehlender Leinen oder Fender. Dein eigener Ausbilder darf dich nicht prüfen. Alle Prüfungsteile müssen innerhalb eines Jahres ab der ersten Teilprüfung bestanden sein, und ein nicht bestandener Teil lässt sich nicht am selben Tag wiederholen. Wer den Sportbootführerschein Binnen mit Antriebsmaschine schon hat und See nachlegt, fährt praktisch nur noch die Pflichtmanöver, Anlegen und Ablegen also erneut. Welche Kurse es dafür gibt, steht in der Kurs- und Preisübersicht.
Sechs Fragen zum Selbsttest
Die Fragen sind im Wortlaut der Prüfung, die Antwortmöglichkeiten in anderer Reihenfolge. Fünf davon kommen in der Binnen- und in der See-Prüfung vor, die letzte nur auf See.
0 von 6 richtig
-
„Welches ist der günstigste Anlaufwinkel beim Anlegen?“
Spitz, ohne Zahl. Die beiden Gradzahlen sind Falschantworten, und die 30 oder 45 Grad, die viele gelernt haben, kommen gar nicht erst vor.
-
„Warum soll man möglichst gegen Strom und Wind anlegen?“
Sicherer manövrieren: gegen Strom und Wind hast du Fahrt durchs Wasser und damit Ruderwirkung, während du über Grund fast stehst. Sog und Wellenschlag sind die Antwort auf eine andere Frage.
-
„Welche Anlegeseite ist mit rechtsdrehendem Propeller empfehlenswert und warum?“
Backbord. Rückwärts wandert das Heck bei rechtsdrehendem Propeller nach Backbord, beim Aufstoppen also zum Steg hin. Die Ruderlage hat damit nichts zu tun: der Radeffekt ist eine Wirkung des Propellers.
-
„Weshalb setzt bei einem Fahrzeug mit Einbaumaschine und starrer Welle bei Aufnahme der Rückwärtsfahrt die Ruderwirkung erst relativ spät ein?“
Ein Ruderblatt lenkt erst, wenn Wasser daran vorbeiströmt. Rückwärts bläst der Propeller nach vorn, und das Ruder bekommt erst etwas ab, wenn das Boot wirklich rückwärts fährt. Die beiden Unterdruck-Antworten klingen technisch, sind aber die Falschantworten.
-
„Wie ist ein enges Gewässer zu befahren, wenn man sich am Ufer festgemachten Fahrzeugen nähert?“
Langsamer, wegen Sog und Wellenschlag. Es ist dieselbe Pflicht wie vor der Hafeneinmündung: rechtzeitig, nicht erst auf Höhe der Boote. Aufstoppen verlangt niemand, und das Rechtsfahrgebot bleibt.
-
„Wie haben sich Fahrzeuge zu verhalten, die in ein Fahrwasser einlaufen, ein Fahrwasser queren, im Fahrwasser drehen oder ihre Anker- und Liegeplätze verlassen?“
Wer den Liegeplatz verlässt, wartet: Vorfahrt hat, wer dem Fahrwasser folgt. Das Achtungssignal beim Ablegen gibt es auf See zwar, es ist aber ein langer Ton und kein kurzer - und es ersetzt die Wartepflicht nicht.
Häufige Fragen zu Anlegen und Ablegen
Binnen nur, wenn ein anderes Fahrzeug dadurch Kurs oder Geschwindigkeit ändern müsste. Dann gilt: ein kurzer Ton für Kurs nach Steuerbord, zwei kurze Töne für Backbord. Auf Seeschifffahrtsstraßen ist beim Verlassen von Liege- und Ankerplätzen ein langer Ton als Achtungssignal vorgesehen.
Auf Seeschifffahrtsstraßen nicht. Eine Tonne ist ein schwimmendes Schifffahrtszeichen, und daran ist das Anlegen und Festmachen verboten, ebenso an Sperrwerken, Strombauwerken, Leitwerken und Pegeln.
Nicht aus dem Bundesrecht. Binnen gilt die Zahl, die auf dem Schild am Ufer steht, und zwar in Kilometern pro Stunde gegenüber dem Ufer. Auf See gelten Höchstgeschwindigkeiten nur auf bekanntgemachten Strecken. Alles andere kommt aus Landeshafenordnungen oder privaten Hafenordnungen.