Mann über Bord: was du tust, Schritt für Schritt

Fällt jemand ins Wasser, zählen die ersten Sekunden: Alarm, Rettungsmittel, Sichtkontakt. Hier steht die Reihenfolge unter Motor, warum du auch unter Segel die Maschine startest, das An-Bord-Holen und was die praktische Prüfung von dir verlangt.

Von Felix Schoberwalter Aktualisiert am 10. August 2026 12 Min. Lesezeit
16:15
Orangefarbener Rettungsring treibt im aufgewühlten Wasser, dahinter dreht ein Motorboot zurück

Das Wichtigste in Kürze

  • Offiziell heißt das Manöver „Rettungsmanöver (Mensch über Bord)“, verbreitet ist das Kürzel MOB.
  • Bei 10 Grad Wassertemperatur und ohne Schutzkleidung kann eine Person im Wasser bestenfalls noch 10 Minuten aktiv mithelfen. Danach greift sie keine Leine mehr - eine Überlebensfrist ist das nicht, aber die Zeit, in der du auf ihre Mitarbeit zählen kannst.
  • Der schwierige Teil ist nicht das Zurückfahren, sondern das An-Bord-Holen.
  • Auch auf einem Segelboot gilt die Empfehlung: Maschine starten und bei Bedarf einkuppeln.
  • In der praktischen Prüfung ist es Pflichtmanöver Nummer 1, unter Motor überall und unter Segel nur auf Binnenschifffahrtsstraßen. Zwei Versuche, bewertet wird nur mit ausreichend oder nicht ausreichend.
  • Alle Pflichtmanöver müssen ausreichend sein, es gibt keinen Ausgleich zwischen ihnen.

Was in den ersten Sekunden passiert

„Mensch über Bord“ ist der Ruf für akute Lebensgefahr. Er ist der Alarm für alle an Bord. Ab diesem Moment hast du zwei Aufgaben, und beide zählen gleich viel: an die Person herankommen, und sie wieder aufs Schiff bekommen.

Ein Kopf im Wasser ist bei mehr als geringem Seegang nach wenigen Sekunden nicht mehr zu sehen. Deshalb gibst du einer Person an Bord genau eine Aufgabe: mit dem Arm auf die Stelle zeigen und hinsehen, sonst nichts.

Im kalten Wasser bleiben der Person nur Minuten, in denen sie an ihrer eigenen Rettung mitarbeiten kann. Danach hängt alles an dir und dem Rest der Besatzung, und deshalb geht die Notmeldung parallel zum Manöver raus und nicht danach.

Über Bord gehen kannst auch du selbst - der Punkt, den Besatzungen am häufigsten übersehen. Deshalb sollte mindestens eine weitere Person an Bord das Rettungsmanöver sicher fahren können; seid ihr nur zu zweit, jeder von euch, denn der andere liegt im Ernstfall im Wasser. Eine theoretische Einweisung reicht dafür erfahrungsgemäß nicht: gefahren haben sollte man es einmal, mit Gas, Ruder und Leine in der Hand.

Das Manöver unter Motor, Schritt für Schritt

Die ersten sechs Schritte laufen nicht nacheinander, sondern in denselben Sekunden, verteilt auf alle an Bord. Die Nummern sagen dir, womit du anfängst, nicht worauf du wartest. Ab dem Annähern wird daraus ein echter Ablauf. Bist du allein an Bord oder zu zweit und der andere liegt im Wasser, fallen Ausguck und Notruf mit dem Rest auf dich - dann gilt die Reihenfolge der Nummern.

  1. Alarm geben

    Laut „Mensch über Bord“ rufen, sofort und vor allem anderen. Der Ruf holt die Besatzung an Deck und verteilt die Aufgaben.

    Typischer Fehler: Der Ruf bleibt aus, weil die Person am Ruder zuerst selbst zum Bergen losläuft. Ohne Alarm gibt es niemanden, der die Stelle im Auge behält, und niemanden, der mit anpackt.

  2. Rettungsmittel mit Leine werfen

    Einen Rettungsring, eine Rettungsboje oder eine Rettungsweste an einer Leine hinterherwerfen. Das ist beides zugleich: Hilfe für die Person und Markierung der Stelle. Nachts oder bei hoher See ist die Person leichter zu finden, wenn das Rettungsmittel ein Rauchsignal oder die Rettungsboje ein Nachtlicht hat.

    Typischer Fehler: Das Rettungsmittel wird ohne Leine geworfen, treibt selbst weg und erzeugt eine zweite Suche.

  3. Sichtkontakt halten

    Eine Person zeigt mit dem Arm auf die über Bord gegangene Person und behält sie im Auge. Ist ein Fernglas an Bord, nimmt sie es dazu. Diese Person ist der Ausguck und macht sonst nichts.

    Typischer Fehler: Der Ausguck bekommt zusätzlich eine Aufgabe an Deck und verliert den Kopf im Wasser aus den Augen.

  4. Position sichern

    Die eigene Position, den Kurs und die Uhrzeit festhalten. Am Navigationsgerät die MOB-Taste drücken, sie speichert die Position. Eine Markierungsblitzboje hält die Stelle im Wasser sichtbar.

    Typischer Fehler: Die MOB-Taste wird im Notfall gesucht, statt vorher bekannt zu sein.

  5. Maschine bereit haben

    Auf einem Segelboot die Maschine jetzt starten. Auf einem Motorboot läuft sie ohnehin - dort geht es in diesem Schritt allein um den Propeller. Bevor du einkuppelst und er dreht, nachsehen, ob eine Leine im Wasser liegt; beim Segelboot auch die Schoten, also die Leinen, mit denen die Segel eingestellt werden.

    Wichtig: Schoten und Leinen im Wasser gehen in den Propeller.

  6. Notmeldung abgeben

    MAYDAY über Funk, so früh wie möglich und nicht erst, wenn das Manöver schon gelaufen ist. Das Notzeichen gilt auf See wie im Binnen, nur der Kanal ist ein anderer: auf See Kanal 16 zum Sprechen, dazu Kanal 70 für den digitalen Notruf. Im Binnen der Kanal, auf dem die Schiffe untereinander sprechen, in der Regel Kanal 10. Für den Umgang mit der Anlage brauchst du ein Funkzeugnis. Ohne Funkgerät an Bord geht die Meldung übers Telefon, dazu der Kasten direkt unter diesem Ablauf.

    Typischer Fehler: Der Notruf wird aufgeschoben, bis das Manöver misslungen ist. Dann ist die Position schon unklar.

  7. Annähern und erste Leinenverbindung herstellen

    Umkehren und zur Person zurückfahren. Ziel ist eine Leine in ihrer Hand, nicht eine bestimmte Kurvenform - welchen Bogen du dafür fährst, ist nirgends vorgeschrieben. Wie du die letzten Meter fährst, welche Seite du nimmst und wo du zum Stehen kommst, steht im Kasten direkt unter diesem Ablauf. Sobald du zum Bremsen den Rückwärtsgang einlegst, zieht dein Heck zur Seite; das ist der Radeffekt, und er entscheidet mit, an welcher Bordwand die Person ankommt.

    Typischer Fehler: Radius und Eleganz gehen vor Sichtkontakt und Leinenverbindung.

  8. Bergen

    Die Person an Bord holen, mit einem Hilfsmittel, das schon vor dem Ablegen ausgesucht und benannt war. Welche in Frage kommen, steht im Abschnitt „Das Bergen ist der schwierige Teil“.

    Typischer Fehler: Das Manöver wird als geschafft verbucht, sobald die Person an der Bordwand ist.

  9. Erste Hilfe und Betreuung

    Erste Hilfe leisten, und jemand bleibt bei der Person.

    Typischer Fehler: Die geborgene Person wird als gerettet abgehakt, obwohl die Unterkühlung weiterläuft.

Die letzten Meter: wie du an die Person herankommst

Bis hierhin ging es um Sekunden und um Aufgabenverteilung. Jetzt geht es um Bootsführung, und hier entscheidet sich, ob das Manöver gelingt. Die Aufgabe lautet: langsam, kontrolliert und so neben der Person zum Stehen kommen, dass sie an der Bordwand ankommt und eine Leine greifen kann. Vorgeschrieben ist davon nichts - die folgenden fünf Punkte sind Empfehlungen, und geübt wird sie mit dem Ausbilder auf dem Wasser.

Fahr auf der Seite an, auf der der Steuerstand steht. Von dort siehst du die Person bis zuletzt. Nimmst du die andere Seite, verschwindet sie in den letzten Metern hinter dem Aufbau oder unter dem Bug, also genau dann, wenn du sie am dringendsten sehen musst.

Komm so zum Stehen, dass Wind und Welle das Boot zur Person hin schieben und nicht von ihr weg. Die letzten Meter macht dann das Wetter für dich, und zwar langsam. Läufst du falsch herum an, treibt das Boot in der Sekunde ab, in der die Fahrt heraus ist. Ankommen soll die Person an der Bordwand, nicht unter dem Bug.

Diese zwei Punkte können sich widersprechen, wenn der Wind von der falschen Seite kommt. Dann entscheidet die Drift: an eine Person im Wasser kommst du nicht heran, wenn dein Boot von ihr wegtreibt, während du dich noch nach der besseren Sichtlinie richtest. Wo genau die Person an Bord kommt, hängt außerdem davon ab, wo deine Badeleiter oder dein Bergehilfsmittel sitzt - such dir die Seite also nach Drift und Bergestelle aus und nimm die Sichtlinie, wenn beides passt.

Kuppel aus, bevor die Person auf Höhe des Cockpits ist. Dann treibt das Boot die letzten Meter, ohne dass der Propeller Schub gibt. Das ist die wichtigste Regel dieses Abschnitts, denn die reale Gefahr in diesem Manöver ist der Propeller neben einem Menschen im Wasser, nicht das Anecken am Rumpf. Wichtig dabei: Leerlauf heißt nicht, dass der Propeller steht. Ohne Antrieb kann ihn die Strömung weiterdrehen, und für einen Menschen im Wasser genügt das. Soll er wirklich stillstehen, gehört die Maschine aus - und diese Entscheidung trifft man vorher und nicht in dem Moment, in dem die Person an der Bordwand ist.

Rechne mit dem Radeffekt. Sobald du zum Bremsen den Rückwärtsgang einlegst, zieht dein Heck zur Seite, bei rechtsdrehendem Propeller nach Backbord. Das entscheidet mit, an welcher Bordwand die Person tatsächlich ankommt, und du kannst es einplanen statt dich davon überraschen zu lassen. Woher der Effekt kommt, steht im Ratgeber zum Radeffekt.

Miss den Ausrollweg deines Bootes einmal nach. Fahr auf freiem Wasser an eine Boje heran, nimm bei Marschfahrt das Gas weg und schau, wie weit das Boot noch läuft. Diese Länge brauchst du, um zu wissen, wann du auskuppeln musst. Ein schwerer Verdränger läuft weit, ein leichtes Sportboot steht fast sofort - und im Ernstfall zählt der Weg deines Bootes.

Welchen Bogen du fährst, um überhaupt zurückzukommen, ist zweitrangig und auch nicht festgelegt. Üblich ist eine weite Kurve mit anschließendem Anlauf gegen Wind und Welle, weil dich das von selbst langsam macht. Entscheidend ist nicht die Form der Kurve, sondern dass der Sichtkontakt hält und du am Ende in der richtigen Lage stehst.

Unter Segel: trotzdem die Maschine

Ist eine Maschine an Bord, fahre das Rettungsmanöver unter Motor. Das ist auch die offizielle Empfehlung an Segler: Maschine starten und bei Bedarf einkuppeln. Der Grund ist einfach - unter Motor bestimmst du Geschwindigkeit und Richtung unabhängig vom Wind, und genau das brauchst du für die letzten Meter.

Bleibt das Boot unter Segel, ist die Q-Wende das Manöver, das die Fragenkataloge nennen. Sie läuft in vier Schritten:

  1. Kurs korrigieren. Zuerst bringst du das Boot auf einen Halbwind- bis Raumwindkurs: anluven, wenn du zu weit nach Lee stehst, abfallen, wenn du zu hoch am Wind bist. Damit legst du fest, dass du die Person nicht aufkreuzen musst.
  2. Anluven und wenden. Du gehst auf Am-Wind-Kurs und fährst eine normale Wende. Die Schoten werden dabei mitgeführt, sonst bleibt das Boot im Wind stehen.
  3. Abfallen und zurücklaufen. Nach der Wende fällst du wieder ab und läufst auf die Person zu. Die Bahn, die das Boot dabei aufs Wasser zeichnet, sieht aus wie ein Q - daher der Name.
  4. Aufschießen. Die letzten Meter fährst du langsam und luvst neben der Person an, bis die Segel killen und das Boot fast steht.

Willst du danach eine stabile Endlage, gehst du ins Beiliegen: dafür lässt du bei der Wende die Fock bewusst back stehen, statt sie überzuholen, fährst die Großschot lose und legst das Ruder nach Luv. Dann liegt das Boot ruhig, und die Besatzung hat die Hände frei für das Bergen. Das musst du also im zweiten Schritt schon entscheiden. Auf Am-Wind-Kursen kommt statt der Wende auch die Halse in Frage; dafür gibt es die Eselsbrücke „AHa“ - am Wind, also Halse. Welche Variante passt, hängt vom Ausgangskurs und von der Windstärke ab, und beide werden im Praxisteil geübt.

Wie lang die letzte Annäherung wird, hängt von Geschwindigkeit, Wind, Seegang, Strömung sowie Form und Gewicht des Bootes ab. Deshalb übst du sie auf deinem Boot, statt dir eine Zahl in Bootslängen zu merken - in keiner Vorschrift steht eine.

In der praktischen Prüfung wird das Manöver unter Segel nur auf Binnenschifffahrtsstraßen verlangt. Das Protokoll für Seeschifffahrtsstraßen kennt an dieser Stelle nur die Antriebsmaschine. Wie die Theorie dazu abläuft, steht in den Artikeln zur SBF-Binnen-Prüfung und zur SBF-See-Prüfung, Kurse und Preise in der Kurs- und Preisübersicht.

Das Bergen ist der schwierige Teil

Üben musst du vor allem, wie du die Person an Deck bekommst. Und zwar mit den körperlich Schwächeren an Bord und für den Fall, dass die Person im Wasser nicht mehr mithelfen kann.

Warum das schwerer ist, als es aussieht, hat drei Gründe. Nasse Kleidung erhöht das Gewicht deutlich. Der Freibord, also die Bordwand über der Wasserlinie, ist bei den meisten Sportbooten höher, als der Arm einer Person im Wasser reicht. Und wer länger im kalten Wasser gelegen hat, hat kaum Kraft in den Händen - Greifen ist eine der ersten Fähigkeiten, die verschwinden. Rechne also nicht damit, dass die Person sich an einer Leiter hochzieht: wer sich nicht selbst hochziehen kann, muss gehoben werden.

Als Hilfsmittel kommen unter anderem in Frage:

  • eine bewegliche, gesicherte Badeleiter
  • Rettungsschlaufe oder Bergegurt, also einen Gurt, der der Person umgelegt wird
  • eine Rettungstalje, das ist ein Flaschenzug aus Blöcken und Leine
  • ein Bergenetz
  • Großbaum oder Großschot als Hebezeug auf einem Segelboot
  • eine beschwerte Trittschlinge, die als Stufe unter Wasser hängt
  • das Beiboot

Suche diese Gegenstände beim Ablegen aus, nicht während des Manövers, und probier einmal aus, wie du sie anbringst. Ein Bergegurt, den niemand angelegt hat, ist im Ernstfall nur ein Stück Gurtband. Die erste Leinenverbindung zählt selbst als Hilfsmittel: solange die Person an einer Leine hängt, treibt sie nicht wieder weg, und du kannst dich in Ruhe um das Heben kümmern. Was davon vorgeschrieben ist und was nur empfohlen, steht im Ratgeber zur Sicherheitsausrüstung.

Ausgeklappte Edelstahl-Badeleiter am weißen Heck eines Motorboots, die unteren beiden Stufen stehen im grünlichen Wasser
Eine bewegliche, gesicherte Badeleiter, ausgeklappt bis unter die Wasserlinie.

Nach dem Bergen läuft die Unterkühlung weiter

Mit dem Moment, in dem die Person an Deck liegt, ist die Gefahr nicht vorbei. Sie verlagert sich. Bei zunehmender Unterkühlung zieht der Körper die Durchblutung von Armen und Beinen zurück und versorgt vor allem den Rumpf mit warmem Blut. Außen sammelt sich kaltes Blut.

Wird die Person danach hektisch bewegt, aufgerichtet oder an Armen und Beinen gewärmt, kann dieses kalte Blut zurück in den Körperkern strömen und die Kerntemperatur weiter fallen. Dieser Nachlauf heißt Afterdrop; der Kreislaufkollaps während oder kurz nach der Rettung, den er auslösen kann, heißt Bergungstod. Für stark unterkühlte Personen gilt deshalb:

  • So waagerecht wie möglich bergen und so wenig wie möglich bewegen. Rettungshubschrauber und Rettungsboote sind genau dafür mit Körben, Tragen und Rumpftüren ausgestattet.
  • Vor weiterem Wärmeverlust schützen: in Decken einwickeln, aus dem Wind bringen, nasse Kleidung entfernen, wenn es ohne viel Bewegung geht. Wärme gehört an den Rumpf, nicht an Arme und Beine. Kein heißes Bad, keine Massage, kein Alkohol.
  • Ansprechbarkeit und Atmung im Blick behalten und jemanden dabeisitzen lassen.
  • Ärztliche Hilfe holen, auch wenn die Person wach wirkt.

Geübt wird das im Erste-Hilfe-Kurs. Für die Prüfung musst du es nicht auswendig wissen, für die Fahrt schon.

Damit es gar nicht erst passiert

Gegen das Überbordgehen bei Seegang hilft nur eins: sich anleinen. Sicherheitsleinen spannen, den Sicherheitsgurt anlegen und an den dafür vorgesehenen Stellen einpicken - einpicken heißt, den Karabiner der Leine an einem festen Punkt einhaken.

Der zweite Teil passiert vor dem Ablegen. Besatzung und Gäste werden in die Handhabung der Rettungs- und Feuerlöschmittel eingewiesen, auf die Maßnahmen gegen das Überbordfallen hingewiesen und darauf, dass eine ständig angelegte Rettungsweste die Überlebenschancen im Wasser erhöht. Das ist nicht Höflichkeit gegenüber den Gästen, das ist die Sorgfaltspflicht des Schiffsführers.

Sag das beim Ablegen laut, auch wenn nur ein Gast mitfährt. Wer vorher gehört hat, wo die Rettungswesten liegen, muss sie im Ernstfall nicht suchen.

Sätze, die oft falsch weitergegeben werden

Was oft behauptet wird Was wirklich gilt
„Mann über Bord ist ein See-Thema.“ Was wirklich gilt: Für die Praxis nicht: das Rettungsmanöver ist auf Binnen- und auf Seeschifffahrtsstraßen Pflichtmanöver Nummer 1, binnen zusätzlich unter Segel. Für die Theorie stimmt es: nur der See-Stoff nennt das Überbordgehen.
„Der Quickstopp ist das MOB-Manöver.“ Was wirklich gilt: In der Prüfungstheorie bezeichnet Quickstopp die Unterbrechung von Zündkontakt oder Kraftstoffzufuhr, und das Segelmanöver heißt dort Q-Wende. Wer beide Begriffe vermischt, verliert in der Theorieprüfung Punkte.
„Wer die Boje berührt, ist durchgefallen.“ Was wirklich gilt: Das steht nicht in der Verordnung. Sie kennt zwei Versuche, die Stufen ausreichend und nicht ausreichend und eine schriftliche Begründung, wenn es nicht ausreicht.
„Der Motor muss beim Bergen aus.“ Was wirklich gilt: Keine Vorschrift verlangt Motorstopp oder Leerlauf beim Bergen; Seglern wird das Manöver unter Motor sogar empfohlen. Die Gefahr durch den Propeller ist real.
„124 124 ist der Seenotruf.“ Was wirklich gilt: Formal ist die Nummer keine Notrufnummer, sondern eine Servicenummer der Netzbetreiber, erreichbar nur in Küstennähe und nur aus deutschen Mobilfunknetzen. Sie führt zur Rettungsleitstelle See und überträgt vom Smartphone die Position. Vorrang hat der Funk.
„Das Handy ersetzt das Funkgerät.“ Was wirklich gilt: Das Mobiltelefon ist höchstens eine Ergänzung zur Seefunkanlage, kein Ersatz für sie.
„Ein Rettungsring mit Wurfleine ist auf jedem Sportboot Pflicht.“ Was wirklich gilt: Er steht in der offiziellen Empfehlungsliste für die Sicherheitsausrüstung. Eine bundesweite Mitführpflicht für Sportboote lässt sich daraus nicht ableiten.
Sieben Sätze, die am Steg und in Foren zuverlässig weitergegeben werden, und was dazu wirklich gilt.

Häufige Fragen zum Mann-über-Bord-Manöver

Rettungsmanöver (Mensch über Bord). So steht es in der Verordnung und in den Fragenkatalogen. „Mann über Bord“ ist der verbreitete Ausdruck dafür, gemeint ist dasselbe Manöver.

Der Notverkehr besteht aus zwei Teilen. Zuerst der Notanruf: dreimal MAYDAY, dreimal der Schiffsname, dann Rufzeichen beziehungsweise MMSI. Danach die eigentliche Notmeldung: einmal MAYDAY, Schiffsname, Rufzeichen, Position, Art der Notlage, benötigte Hilfe, Anzahl der Personen an Bord, weitere wichtige Angaben, Ende. Bei einem Boot mit DSC löst du vorher den digitalen Notalarm aus; der eröffnet den Notfall, ersetzt den Sprechfunk aber nicht. Beim Überbordgehen gibst du MAYDAY, obwohl das Schiff selbst nicht in Gefahr ist - der Grund ist die akute Lebensgefahr für die Person, und dass du dein Schiff nicht aufgibst, sagst du in der Beschreibung der Notlage.

Dann geht die Meldung übers Telefon, und die Nummern stehen schon vor dem Ablegen drin. Auf See ist das die Rettungsleitstelle See, das MRCC Bremen, rund um die Uhr besetzt unter +49 (0)421 536870. Aus deutschen Mobilfunknetzen und in Küstennähe erreichst du sie auch über die Kurzwahl 124 124, aktuelle Smartphones übertragen dabei die Standortdaten mit. Auf Binnenschifffahrtsstraßen ist die zuständige Revierzentrale die richtige Stelle; welche das für deine Strecke ist, sagt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt. Wichtig bleibt: das Telefon erreicht eine Stelle, aber nicht die Boote um dich herum, und die sind im Ernstfall näher als jedes Rettungsfahrzeug. Ist eines in Sicht, ist rufen und winken der schnellste Weg.

Ja. Auf Binnenschifffahrtsstraßen verpflichtet die Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung den Schiffsführer jedes Fahrzeugs in der Nähe, unverzüglich Hilfe zu leisten, soweit das mit der Sicherheit des eigenen Fahrzeugs vereinbar ist. Auf See verlangt die Verordnung über die Sicherung der Seefahrt, Menschen in Seenot mit größter Geschwindigkeit zu Hilfe zu eilen und den Such- und Rettungsdienst zu verständigen. Erst wenn dir mitgeteilt wird, dass Hilfe nicht mehr erforderlich ist, endet diese Pflicht. Dazu kommt die allgemeine Pflicht zur Hilfeleistung aus dem Strafgesetzbuch, die auch dann greift, wenn kein Fahrzeug beteiligt ist.

Geschrieben von

Felix Schoberwalter

Fachredaktion BootsschuleX

Zuletzt geprüft und aktualisiert am 10. August 2026

Preise

Wähle dein Paket

Sportbootführerschein See & Binnen - allein lernen oder mit Freunden günstiger.

25.000+ Schüler
Oder mit Freunden

Gruppen-Deal

Komplettpaket, mit Freunden günstiger.

265 /Person

Gesamt: 530 · 24 gespart

Personen: 2
Alle Theorie-Inhalte pro Person
  • Alle Lernvideos (40+)
  • Prüfungstrainer (alle Fragen)
  • Intelligenter Lernmodus
  • Knotentrainer
4 Praxiseinheiten pro Person
  • Prüfungsfahrt inklusive
  • 100+ Standorte - keine weite Anfahrt
  • Keine Wartezeiten dank Standortgarantie
  • Geprüfte Ausbilder vor Ort
  • Willkommensbox per Post
  • Premium-Support
  • Bestehensgarantie
  • Standortgarantie
  • Gemeinsam lernen & Praxis machen
Kaufen

14 Tage Geld-zurück-Garantie · Sofort Zugang

Zu den Angeboten
Schritt 1: Registrieren
Jetzt loslegen mit dem Angebot!
Name