Verbinden

Schotstek binden, einfach und doppelt

Zwei unterschiedlich dicke Leinen lassen sich nicht symmetrisch verbinden. Der Schotstek löst das anders herum: die dickere bildet eine Bucht und hält still, die dünnere macht die Arbeit.

Schwierigkeit 2/5 4 und 7 Schritte
Fertiger einfacher Schotstek, die dünne Leine läuft um die Bucht der dicken und unter sich selbst hindurch
Eine rote und eine grüne Leine mit einem Schotstek verbunden, auf nassem Teakdeck

Dünn gegen dick

Warum ungleiche Leinen einen eigenen Knoten brauchen

Eine symmetrische Verbindung funktioniert nur, wenn beide Seiten dasselbe leisten. Sobald eine Leine deutlich dünner ist als die andere, ist diese Voraussetzung weg und mit ihr der Halt.

Bei einer symmetrischen Verbindung klemmen sich beide Seiten gegenseitig fest, und dafür müssen sie ungefähr gleich stark sein. Ist die eine dünn und die andere dick, drückt die dünne in die dicke hinein, statt sie zu klemmen. Halt gibt dann nur noch Reibung an einer viel zu kleinen Fläche.

Der Schotstek verteilt die Arbeit deshalb ungleich. Die dicke Leine wird nur zurückgebogen und liegt still, sie ist die Unterlage. Dagegen läuft die dünne um diese Bucht herum und wird zuletzt unter ihr eigenes Part geschoben, wo der Zug sie festklemmt.

An den Strichstärken der Zeichnungen siehst du das. In allen elf Bildern dieser Seite kommt die dicke Leine von links und rührt sich nicht. Bewegt wird ausschließlich das Ende der dünnen. Wie oft es dabei um die Bucht läuft, ist der ganze Unterschied zwischen den beiden Varianten.

Wer den einen legen kann, kann den anderen fast auch, ihm fehlt eine einzige Bewegung. Wann du diese Bewegung brauchst, ist die Frage, um die es auf dieser Seite eigentlich geht.

Die erste Variante

Einfacher Schotstek in vier Schritten

Die dicke Leine kommt auf allen vier Zeichnungen von links und ist zur Bucht zurückgebogen. Von Bild zu Bild bewegt sich allein das Ende der dünnen Leine.

  1. Dicke Leine ist zu einer Bucht zurückgebogen, das Ende der dünnen Leine liegt lose im Auge
    01

    Bucht in die dicke Leine

    Bieg die dicke Leine zurück, bis ein längliches Auge entsteht, und steck das Ende der dünnen von unten hindurch. Lose liegt es in diesem Auge und zeigt schräg nach unten, so wie im ersten Bild. Gehalten wird hier noch gar nichts.

  2. Dünnes Ende ist durch die Bucht gezogen und läuft unter dem unteren Part nach links heraus
    02

    Weit genug durchziehen

    Zieh das dünne Ende so weit durch, dass du damit arbeiten kannst. Unter dem unteren Part der Bucht läuft es nach links heraus und liegt frei. Wie weit du ziehst, entscheidet nur darüber, wie viel Ende am Schluss übrig bleibt.

  3. Dünnes Ende ist einmal um beide Parts der Bucht herumgeführt und liegt oben auf
    03

    Einmal um die Bucht

    Führ das Ende hinter der Bucht herum, unter beiden Parts hindurch und auf der anderen Seite wieder nach oben. Jetzt liegt es oben auf und zeigt zurück ins Auge, so wie im dritten Bild. Damit ist die Wicklung geschlossen, geklemmt ist immer noch nichts.

  4. Fertiger einfacher Schotstek, das dünne Ende steht unten neben seinem eigenen langen Part heraus
    04

    Unter sich selbst hindurch

    Zum Schluss schiebst du das Ende unter sein eigenes Part, das aus dem Auge kommt, und ziehst an beiden Leinen. Es steht dann unten heraus, auf derselben Seite wie das lange Part der dünnen Leine. Liegt es dort, sitzt der Stek.

Der Unterschied

Der doppelte Schotstek, eine Wicklung mehr

Bis zur dritten Zeichnung ist der doppelte Schotstek derselbe Knoten wie der einfache. Was danach kommt, ist keine neue Technik, sondern dieselbe Bewegung ein zweites Mal.

Die letzte Zeichnung oben zeigt den Moment, in dem der einfache Schotstek fertig wird. Genau davor setzt der doppelte an. Bis zum Bild darüber ist alles gleich: Bucht in der dicken Leine, dünnes Ende hindurch, einmal herum, Ende oben auf. Statt jetzt durchzustechen, geht das Ende noch einmal herum, und erst danach kommt derselbe letzte Handgriff wie oben.

Was diese Wicklung bringt, ist Fläche. Beim einfachen liegt ein Strang auf der Bucht, beim doppelten sind es zwei nebeneinander. Die dünne Leine liegt dadurch länger auf der dicken an, statt an einer schmalen Stelle zu ziehen. Deshalb ist er die Variante gegen Durchrutschen und nicht die schwierigere.

Du musst dir also nicht zwei Handgriffe merken, sondern einen mit zwei Ausbaustufen. Welche davon du nimmst, hängt nicht von deinem Können ab, sondern von den Leinen, die vor dir liegen.

Die zweite Variante

Doppelter Schotstek in sieben Schritten

Dieselbe Ausgangslage, dieselben ersten drei Bewegungen. Ab dem vierten Bild legt das dünne Ende eine zweite Runde um die Bucht, bevor es unter sich selbst verschwindet.

  1. Dicke Leine als Bucht, das Ende der dünnen Leine steckt lose im Auge
    01

    Dieselbe Bucht

    Dicke Leine zur Bucht zurückbiegen, Ende der dünnen von unten durch das Auge stecken. Es liegt lose darin, genau wie oben im ersten Bild. Bis hierhin unterscheiden sich die beiden Varianten durch nichts.

  2. Dünnes Ende läuft unter dem unteren Part der Bucht frei nach links heraus
    02

    Mehr Ende stehen lassen

    Zieh das Ende durch, bis es unter dem unteren Part frei nach links herausläuft. Lass dabei etwas mehr stehen als beim einfachen, denn es gehen gleich zwei Wicklungen davon ab und nicht eine.

  3. Dünnes Ende hat die Bucht einmal umrundet und liegt oben auf dem oberen Part
    03

    Die erste Wicklung

    Führ das Ende hinter beiden Parts der Bucht herum und auf der anderen Seite wieder nach oben. Es liegt danach oben auf und zeigt zurück ins Auge. Das ist Bild drei von oben, unverändert - nur hörst du hier nicht auf.

  4. Zweite Runde der dünnen Leine hängt offen unter der Bucht
    04

    Noch einmal denselben Weg

    Statt jetzt durchzustechen, führst du das Ende ein zweites Mal um die Bucht: vorne hinunter, unten herum, hinten wieder hoch. Diese Runde hängt im vierten Bild noch offen unter dem Knoten und ist dort als Schlaufe zu sehen.

  5. Zweite Wicklung liegt neben der ersten, beide laufen parallel über die Bucht
    05

    Neben die erste legen

    Beim Hochkommen achtest du darauf, wo die neue Wicklung landet. Sie liegt neben der ersten und nicht darüber, beide laufen parallel über die Bucht, so wie im fünften Bild. An dieser Lage entscheidet sich, ob die zweite Wicklung überhaupt etwas bringt.

  6. Dünnes Ende ist unter sein eigenes Part geschoben und tritt unten kurz wieder aus
    06

    Unter sich selbst hindurch

    Jetzt erst kommt der Durchstich, und er ist derselbe wie oben. Schieb das Ende unter sein eigenes Part, das aus dem Auge kommt, bis es unten wieder austritt. Es schaut dort erst ein Stück heraus.

  7. Fertiger doppelter Schotstek, das dünne Ende steht unten neben seinem langen Part heraus
    07

    Ganz durchziehen und setzen

    Zieh das Ende vollständig durch und dann an beiden Leinen gleichzeitig, bis die Wicklungen dicht an der Bucht liegen. Es steht danach unten heraus, auf derselben Seite wie das lange Part der dünnen Leine. Das ist dieselbe Kontrolle wie beim einfachen.

Die Schritte liegen nebeneinander und lassen sich seitlich durchblättern.

Die Wahl

Welchen von beiden du nimmst

Über die Wahl entscheidet nicht dein Können, sondern die Leinen vor dir. Zwei Dinge zählen - wie weit die Durchmesser auseinanderliegen und wie viel an der Verbindung hängt.

Der einfache

Für Durchmesser, die nicht weit auseinanderliegen, und für überschaubare Lasten. Er ist in Sekunden gelegt, hält, was du ihm zumutest, und geht danach ohne Werkzeug wieder auf.

Wo er aufhört: Nur für moderate Lasten. Weichen die Durchmesser stark ab oder hängt etwas Wichtiges daran, gehört dort der doppelte Schotstek hin.

Der doppelte

Für große Unterschiede im Durchmesser und für alles, was nicht aufgehen soll. Eine Bewegung mehr, und du nimmst dem einfachen genau die Schwäche, die er hat.

Nur eine Bedingung: Die zweite Wicklung muss neben der ersten liegen, nicht darüber. Sonst rutscht die dünne Leine unter Last durch.

Wenn du unsicher bist, nimm den doppelten. Er sichert die dünne Leine ein zweites Mal gegen Durchrutschen und kostet dich einen Handgriff länger. Ob der einfache an dieser Stelle reicht, sieht man den Leinen selten an. Beim Üben ist das ohnehin der bessere Weg herum, weil der einfache darin komplett enthalten ist.

Und wofür keiner von beiden gemacht ist, dafür gibt es andere Knoten. Gleich dicke Leinen verbindet der Kreuzknoten symmetrisch und ohne Umweg. Soll eine dünne Leine auf einer dicken sitzen und sich verschieben lassen, ist das ein Fall für den Stopperstek. Brauchst du statt einer Verbindung ein festes Auge, nimm den Palstek. Alle drei findest du unten in der Reihe.

Prüfung

Knoten in der Prüfung

Neun Knoten kommen infrage, sieben davon sind in der praktischen Prüfung dran, und sechs müssen sitzen. Kein einzelner Knoten ist damit Pflicht - bestehen kannst du auch, ohne einen bestimmten gezeigt zu haben. Legen allein reicht nicht, du musst zu jedem Knoten auch sagen können, wofür er an Bord gut ist.

Zwischen See und Binnen gibt es bei den Knoten keinen Unterschied. Einzelne andere Aufgaben der praktischen Prüfung gelten ausdrücklich nur für den Seeschein, das Steuern nach Kompass zum Beispiel. Bei keinem der neun Knoten ist das so.

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Häufige Fragen

Fragen zum Schotstek

Eine Wicklung. Beim doppelten umrundet die dünne Leine die Bucht der dicken zweimal, bevor sie unter sich selbst hindurchgeht. Alles davor ist derselbe Handgriff, und deshalb stehen beide auf dieser Seite.

Wenn die Durchmesser stark auseinanderliegen oder etwas daran hängt, das nicht aufgehen darf. Dann nimm den doppelten. Die zweite Wicklung hält die dünne Leine auch dann noch, wenn der Unterschied groß wird.

Es geht, aber es gibt Besseres. Für gleiche Stärken ist der Kreuzknoten gemacht, und er ist schneller gelegt. Der Schotstek verliert bei gleichen Durchmessern genau den Vorteil, für den er gebaut ist.

Ja, je nach Kreis. Bei der Feuerwehr heißt er Schotenstich, beim THW Hinterstich, bei den Pfadfindern Weberkreuzknoten, auf Englisch Sheet Bend. Der Knoten dahinter ist überall derselbe.

Weil sie sich in genau einer Bewegung unterscheiden. Getrennte Seiten müssten diese Bewegung zweimal erklären. Und die Frage, welche Variante an die Leinen vor dir gehört, könnte keine von beiden ganz beantworten.

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