Das Wichtigste in Kürze
- Auf See gilt eine Rangfolge, und sie fragt nach Beweglichkeit: Ein Motorboot weicht einem Segelfahrzeug aus, aber genauso einem fischenden Fahrzeug und jedem, das sich nicht frei bewegen kann, etwa einem Baggerschiff.
- Diese Rangfolge wird gebrochen, sobald du überholst. Wer überholt, weicht aus, egal was er ist und egal was der andere ist.
- Binnen entscheidet zuerst die Größe: unter 20 Metern ist dein Sportboot in aller Regel ein Kleinfahrzeug, und ein Kleinfahrzeug kann laut Verordnung nicht verlangen, dass ihm ein Fahrzeug ausweicht. Erst zwischen Kleinfahrzeugen zählt wieder der Antrieb.
- „Segel vor Motor“ gilt binnen also nur zwischen Kleinfahrzeugen. Gegenüber einem Frachter gilt es nicht, auch nicht unter Segeln.
- Kreuzen sich die Kurse von zwei Motorbooten, ist die Antwort in beiden Regelwerken dieselbe: Wer den anderen an seiner Steuerbordseite hat, also rechts, weicht aus. Binnen gilt das zwischen zwei Kleinfahrzeugen. Ist eines der beiden ein Segelboot, gilt die Regel nicht.
- Vor der deutschen Küste kommt ein dritter Fall dazu: Im Fahrwasser setzt eine eigene Verordnung die Rangfolge außer Kraft. Wer dem Fahrwasser folgt, hat Vorfahrt gegenüber allen, die es queren oder in es einlaufen. Auch gegenüber Segelbooten.
Warum „Segel vor Motor“ gefährlich ist
Der Satz gilt in einem Fall: Motorboot trifft Segelboot, auf See. Über dem Segler stehen dort drei weitere Fahrzeugarten, denen er selbst ausweichen muss. Beim Überholen gilt er auch auf See nicht. In einem engen Fahrwasser kommt dazu, dass du ein Fahrzeug nicht behindern darfst, das nur dort sicher fahren kann - die Ausweichregeln gelten daneben weiter. Und auf Binnenwasserstraßen gilt der Satz gegenüber der Berufsschifffahrt gar nicht.
Der Grund: Die zwei Regelwerke sortieren nach verschiedenen Merkmalen. Auf See zählt die Beweglichkeit. Wer besser manövrieren kann, weicht aus, und ein Kutter mit ausliegendem Netz kann weniger als ein Segelboot. Binnen zählt zuerst die Größe. Ein Frachter im Fluss hat neben sich kein Wasser zum Ausweichen, also weicht das kleine Boot. Erst unter Kleinfahrzeugen entscheidet wieder der Antrieb.
Unten steht deshalb beides getrennt: erst See, dann binnen. Wer eine der beiden Logiken überall anwendet, liegt regelmäßig daneben.
Auf See: die Rangfolge
Auf See gilt eine Rangfolge über mehrere Fahrzeugarten, nicht nur ein Vorrang zwischen zwei Booten. Ganz oben steht, wer sich am schlechtesten bewegen kann. Ein Motorboot weicht deshalb vier Arten von Fahrzeugen aus:
- einem, das nach einem Ruder- oder Maschinenschaden nicht mehr manövrieren kann, wie es müsste. Fachwort: manövrierunfähig.
- einem, das wegen seiner Arbeit nicht frei manövrieren kann, etwa einem Baggerschiff oder Kabelleger. Fachwort: manövrierbehindert.
- einem fischenden Fahrzeug.
- einem Segelfahrzeug.
Ein Segelboot ist damit nicht oben angekommen. Es weicht den ersten drei selbst aus. Wer unter Segeln an einem Kutter mit ausliegendem Netz vorbeiwill, ist der Ausweichpflichtige, nicht der Fischer.
Dazu kommt eine Rücksichtspflicht, die keine Ausweichpflicht ist. Sofern die Umstände es zulassen, darf ein großer Frachter, der wegen seines Tiefgangs die Rinne nicht verlassen kann, in seiner Durchfahrt nicht behindert werden. Ausweichen muss er dir trotzdem: Er bleibt ein Maschinenfahrzeug und ist dem Segler gegenüber ausweichpflichtig. Du darfst ihm nur nicht in die Rinne fahren.
Diese Rücksichtspflicht hat eine Bedingung: Sie greift nur, wenn der Frachter drei rote Rundumlichter senkrecht übereinander oder tagsüber einen schwarzen Zylinder zeigt. Zeigen muss er sie nicht, die Regel erlaubt es ihm nur. Ohne dieses Zeichen ist er für dich ein normales Maschinenfahrzeug. Unabhängig davon gilt in einem engen Fahrwasser: Ein Segelboot oder ein Boot unter 20 Metern darf die Durchfahrt eines Fahrzeugs nicht behindern, das nur dort sicher fahren kann.
Wer weicht wem aus, auf See
| Dein Fahrzeug | Weicht aus |
|---|---|
| Motorboot | Weicht aus: einem manövrierunfähigen, einem manövrierbehinderten, einem fischenden und einem Segelfahrzeug |
| Segelboot | Weicht aus: einem manövrierunfähigen, einem manövrierbehinderten und einem fischenden Fahrzeug |
| Fischendes Fahrzeug | Weicht aus: einem manövrierunfähigen und einem manövrierbehinderten Fahrzeug, soweit möglich |
| Alle außer manövrierunfähig und manövrierbehindert | Weicht aus: müssen, sofern die Umstände es zulassen, die Durchfahrt eines Fahrzeugs freihalten, das wegen seines Tiefgangs die Rinne nicht verlassen kann und das anzeigt. Das ist Rücksicht, keine Ausweichpflicht |
Vor der deutschen Küste gilt im Fahrwasser eine andere Regel
Die Rangfolge von oben gilt auf offener See. In deutschen Küstengewässern kommt eine zweite Verordnung dazu, und die setzt sie im Fahrwasser ausdrücklich außer Kraft. Betroffen sind die Seeschifffahrtsstraßen. Dazu gehören die deutschen Küstengewässer, die Mündungen von Elbe, Weser und Jade, die Fahrwasser im Wattenmeer und dazu genau bezeichnete Stücke angrenzender Binnenwasserstraßen wie Trave, Warnow und Nord-Ostsee-Kanal. Für die Emsmündung gilt eine eigene Ordnung mit einer ähnlichen Vorfahrtsregel. Genau dort fährt jemand mit Sportbootführerschein See.
Die Verordnung nennt die verdrängten Regeln beim Namen: die Regel für kreuzende Kurse, die ganze Rangfolge, in der ein Motorboot einem Segler ausweicht, und Teile der Regeln für enge Fahrwasser. Im Fahrwasser gilt stattdessen eine einfache Vorfahrt.
- Wer dem Fahrwasser folgt, hat Vorfahrt gegenüber jedem, der in das Fahrwasser einläuft, es quert, darin dreht oder seinen Liege- oder Ankerplatz verlässt.
- Das gilt unabhängig davon, ob das Fahrzeug auch außerhalb des Fahrwassers sicher fahren könnte. Der Frachter muss also nicht erst beweisen, dass er nicht ausweichen kann.
- Auch aus einem abzweigenden oder einmündenden Fahrwasser kommt man nicht mit Vorfahrt heraus. Wer schon drin ist, hat sie.
- Wer warten muss, hat das rechtzeitig durch sein Fahrverhalten zu zeigen und darf erst weiterfahren, wenn er übersehen kann, dass die Schifffahrt nicht beeinträchtigt wird.
Für dich als Segler heißt das konkret: Beim Queren eines Fahrwassers hilft dir das Segel nicht. Du hast keine Vorfahrt, egal wie beweglich der andere wäre. Segelboote, die dem Fahrwasser nicht deutlich folgen, regeln das untereinander nach den Seeregeln, aber nur solange sie dabei niemanden mit Vorfahrt gefährden oder behindern.
Zwei weitere Unterschiede im Fahrwasser lohnen sich zu wissen: Überholt wird grundsätzlich links, und an engen Stellen sowie in unübersichtlichen Kurven ist Überholen verboten. Kommt dir jemand genau entgegen, weichst du grundsätzlich nach Steuerbord aus, wie auf offener See. Für einzelne, amtlich bekanntgemachte Fahrwasserabschnitte gibt es davon eine Ausnahme: Dort darf man ausnahmsweise nach Backbord ausweichen, muss das dem Gegenkommer aber vorher anzeigen oder per Funk absprechen.
Und es gibt eine eigene Regel für Engstellen. Nähern sich zwei Fahrzeuge von beiden Seiten einer Stelle, die nicht für beide gleichzeitig reicht, entscheidet die Strömung:
- Wo Tide oder Strömung herrscht, hat das Fahrzeug Vorfahrt, das mit dem Strom fährt.
- Bei Stromstillstand hat das Vorfahrt, das vorher gegen den Strom gefahren ist.
- In strömungsfreiem Wasser hat das Vorfahrt, das grundsätzlich die Steuerbordseite des Fahrwassers benutzen muss.
Wer warten muss, wartet außerhalb der Engstelle, bis der andere durch ist. Nicht mittendrin anhalten und hoffen.
Zwei Motorboote auf See: entgegenkommend oder kreuzend
Kommt dir eines genau oder fast genau entgegen und könnte es zum Zusammenstoß kommen, drehen beide nach Steuerbord und passieren sich an Backbord. Beide gleichzeitig, hier gibt es keinen, der einfach Kurs hält. Erkennen kannst du die Lage daran, dass du das andere Boot recht oder fast recht voraus hast. Nachts ist das eindeutig: Du siehst beide Seitenlichter gleichzeitig, das rote und das grüne, bei einem größeren Schiff dazu seine weißen Topplichter senkrecht übereinander in einer Linie. Bist du unsicher, ob die Lage vorliegt, musst du davon ausgehen, dass sie vorliegt.
Kreuzen sich die Kurse, weicht der aus, der den anderen an seiner Steuerbordseite hat. Kommt der andere also von rechts, bist du dran. Und wenn es die Umstände zulassen, musst du vermeiden, vor ihm herzufahren.
Bei zwei Segelbooten entscheidet nicht der Kurs, sondern der Wind. Bekommen die beiden ihn von verschiedenen Seiten, weicht dasjenige aus, das ihn von links hat, also von Backbord. Bekommen sie ihn von derselben Seite, weicht das windzugewandte Boot dem windabgewandten aus - an Bord heißt das luvwärtig und leewärtig. Welche Seite Luv ist, siehst du am Großsegel: Luv liegt dem gesetzten Großsegel gegenüber, der Wind drückt es also von dort weg. Und wenn du den Wind von Backbord hast, ein Boot in Luv siehst und nicht sicher erkennst, von welcher Seite es seinen Wind bekommt, weichst du aus.
Binnen entscheidet ein Begriff: Kleinfahrzeug
Ein Kleinfahrzeug ist ein Fahrzeug mit einem Schiffskörper von weniger als 20 Metern größter Länge, ohne Ruder und Bugspriet gemessen. Segelsurfbretter zählen dazu, ebenso Amphibien- und Luftkissenfahrzeuge. Nicht dazu zählen unter anderem Fahrzeuge für mehr als zwölf Fahrgäste, Fähren und Schubleichter.
Praktisch heißt das: Ist dein Sportboot unter 20 Meter lang und fällt es unter keine der fünf Ausnahmen, ist es ein Kleinfahrzeug. Ausgenommen sind Fahrzeuge, die zum Schleppen oder Schieben größerer Fahrzeuge zugelassen sind, Fahrzeuge für mehr als zwölf Fahrgäste, Fähren, Schubleichter und schwimmende Geräte. Dieser Begriff entscheidet über deine Rolle auf dem ganzen Fluss, und zwar bevor es um Segel oder Motor geht.
Gegenüber allen Fahrzeugen, die keine Kleinfahrzeuge sind, musst du den Raum lassen, den sie für ihren Kurs und zum Manövrieren brauchen. Einem Fahrzeug mit blauem Funkellicht, zum Beispiel der Wasserschutzpolizei, der Feuerwehr oder einem im Einsatz fahrenden Wasserrettungsfahrzeug, musst du beim Begegnen, Kreuzen und Überholen rechtzeitig nach Steuerbord ausweichen.
Was ein Frachter dir gegenüber nicht muss
Mehrere Regeln, die zwischen großen Fahrzeugen gelten, gelten einem Kleinfahrzeug gegenüber nicht. Die Verordnung nimmt sie einzeln und namentlich aus. Drei davon merkst du im Alltag.
- Er muss dir das Überholen nicht erleichtern. Unter größeren Fahrzeugen gilt: Wer vorausfährt, hilft mit, notfalls indem er langsamer wird. Gegenüber einem Kleinfahrzeug muss er das nicht.
- Er muss nicht allein deshalb langsamer werden, weil dein Boot dort liegt. Die besondere Pflicht, vor liegenden Fahrzeugen langsamer zu werden, gilt gegenüber einem Kleinfahrzeug nicht. Die allgemeine Pflicht bleibt aber: Jedes Fahrzeug muss seine Geschwindigkeit so einrichten, dass schädlicher Wellenschlag und Sog vermieden werden. Du hast also Anspruch darauf, dass sein Wellenschlag keinen Schaden anrichtet, nicht aber darauf, dass er allein wegen deines Liegeplatzes langsamer wird. Praktisch heißt das: an einer Bundeswasserstraße so belegen und abfendern, dass Wellen nichts anrichten.
- Mehrere Regeln zum Begegnen und Kreuzen gelten zwischen ihm und dir gar nicht. Darauf kannst du dich nicht verlassen.
Schutzlos bist du damit nicht. Über allen Einzelregeln steht die allgemeine Sorgfaltspflicht: Jeder muss die Vorsicht walten lassen, die nötig ist, um eine Gefahr abzuwenden. Nur ist das kein Vorrang, auf den du zufahren kannst.
Umgekehrt gelten für dich eigene Pflichten. Fährst du ein Kleinfahrzeug mit Maschine, gilt vor einem Badeufer, einem Zeltplatz oder erkennbar ausgelegtem Angelgerät ein Tempolimit ohne Zahl: nur so schnell, dass du gerade noch steuern kannst. Ein anderes Boot behindernd oder belästigend zu umfahren ist verboten, genauso das Herumfahren in der Nähe von Fischereigerät. Und fährst du an einer Person im Wasser vorbei, muss der Abstand so groß sein, dass Wellenschlag und Sog sie nicht gefährden.
Unter Kleinfahrzeugen zählt wieder der Antrieb
Hier stimmt „Segel vor Motor“ auch binnen. Sobald sich zwei Kleinfahrzeuge begegnen, greift eine eigene Rangfolge: Ein Kleinfahrzeug mit Maschine weicht einem Kleinfahrzeug ohne Maschine aus. Ein Fahrzeug, das weder Maschine noch Segel benutzt, also ein Ruder- oder Paddelboot, weicht einem Segler aus.
Wer nach diesen beiden Regeln ausweichen muss, also das Motorboot gegenüber dem Segler und das Ruderboot gegenüber dem Segler, richtet seinen Kurs beim Begegnen rechtzeitig nach Steuerbord. Geht das nicht, weil Wind oder Wasser es nicht zulassen, muss er rechtzeitig und unmissverständlich durch sein Manöver zeigen, wie er stattdessen ausweichen will.
Eine Regel gibt es so nur binnen, und sie schützt den, der wenig Platz hat. Segelboote fahren gegen den Wind im Zickzack. Wer das tut, darf seine Schläge nicht so legen, dass ein anderes Sportboot ausweichen muss, das dicht an einem Ufer entlangfährt. Gemeint ist das Ufer, das dieses Boot rechts von sich hat. Wer dicht am Ufer fährt, hat keinen Platz zum Ausweichen. Also nimmt der auf dem freien Wasser Rücksicht. Und überholt ein Segelboot ein anderes, tut es das auf der Windseite, also in Luv.
| Situation | Wer weicht aus |
|---|---|
| Motorboot trifft Segelboot | Wer weicht aus: das Boot mit Maschine |
| Ruder- oder Paddelboot trifft Segelboot | Wer weicht aus: das Ruder- oder Paddelboot |
| Zwei Motorboote, genau entgegen | Wer weicht aus: beide nach Steuerbord, Passieren an Backbord |
| Zwei Motorboote, kreuzend | Wer weicht aus: wer den anderen an Steuerbord hat |
| Zwei Segelboote, Wind von verschiedenen Seiten | Wer weicht aus: das Boot mit Wind von Backbord, also von links |
| Zwei Segelboote, Wind von derselben Seite | Wer weicht aus: das windzugewandte, also das luvwärtige Boot |
Trainer: neun echte Situationen
In jeder Zeichnung ist A dein Boot und fährt nach oben. Die gestrichelten Pfeile sind Kurse, nicht Ausweichmanöver. Jede Frage sagt dir auch im Text, welches Revier gilt.
0 von 9 richtig
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Auf See: Dein Motorboot A und Motorboot B kommen sich genau entgegen. Was tut ihr?
Bei entgegengesetzten Kursen ändert jedes Motorboot seinen Kurs nach Steuerbord, sodass die beiden einander an Backbord passieren. Beide sind gleichzeitig verpflichtet, es gibt hier keinen, der einfach Kurs hält.
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Auf See: Motorboot B kommt von rechts, also von deiner Steuerbordseite, und kreuzt deinen Kurs. Wer weicht aus?
Bei kreuzenden Kursen weicht dasjenige Fahrzeug aus, das das andere an seiner Steuerbordseite hat. Wenn die Umstände es zulassen, musst du außerdem vermeiden, vor B herzufahren.
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Auf See: Motorboot B kommt jetzt von links, also von deiner Backbordseite. Wer weicht aus?
Dieselbe Regel, nur aus der anderen Perspektive: B hat dich an seiner Steuerbordseite, also ist B ausweichpflichtig. Du hältst Kurs und Geschwindigkeit, musst die Lage aber weiter beobachten.
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Auf See: Du fährst mit Maschine, Segelfahrzeug B kreuzt deinen Kurs. Wer weicht aus?
Ein Motorboot in Fahrt weicht einem Segelfahrzeug aus. Hier stimmt „Segel vor Motor“ also. Vorsicht: Es stimmt nur, solange du nicht überholst. In einem engen Fahrwasser kommt dazu, dass du ein Fahrzeug nicht behindern darfst, das nur dort sicher fahren kann.
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Auf See: Du läufst unter Segeln von hinten auf das langsamere Motorboot B auf und willst überholen. Wer weicht aus?
Überholen bricht die Rangfolge: Ungeachtet aller übrigen Ausweichregeln muss jedes Fahrzeug beim Überholen dem anderen ausweichen. Als Überholer gilt, wer von schräg hinten aufkommt. Die Grenze liegt dort, wo du nachts nur noch das weiße Hecklicht des anderen sehen könntest und keines seiner farbigen Seitenlichter. Im Zweifel musst du annehmen, dass du überholst.
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Auf einer Binnenwasserstraße: Du segelst, ein großer Frachter B kreuzt deinen Kurs. Wer weicht aus?
Das ist der wichtigste Unterschied zur See. Die Verordnung sagt wörtlich, dass ein Kleinfahrzeug nicht verlangen kann, dass ihm ein Fahrzeug ausweicht. Dazu musst du allen Fahrzeugen, die keine Kleinfahrzeuge sind, den Raum lassen, den sie brauchen. Dein Segel ändert daran nichts.
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Zwei Segelboote, der Wind kommt von rechts oben. Du hast den Wind von Steuerbord, B hat ihn von Backbord. Wer weicht aus?
Bekommen zwei Segelboote den Wind von verschiedenen Seiten, weicht dasjenige aus, das ihn von Backbord hat, also von links. Diese Regel ist auf See und binnen gleich. Die Luv-Regel greift erst dann, wenn beide den Wind von derselben Seite bekommen.
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Auf einer Binnenwasserstraße: Zwei Motorboote, die beide Kleinfahrzeuge sind, B kommt von deiner Steuerbordseite. Wer weicht aus?
Zwischen zwei Motor-Kleinfahrzeugen löst die Binnenverordnung kreuzende Kurse genauso wie die Seeregeln: Es weicht dasjenige aus, welches das andere an seiner Steuerbordseite hat. Das ist die eine Stelle, an der du dir nichts Neues merken musst.
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In einem deutschen Küstenfahrwasser: Du segelst und willst das Fahrwasser queren. Frachter B folgt dem Fahrwasser. Wer weicht aus?
Das ist die Frage, an der „Segel vor Motor“ vor der deutschen Küste scheitert. In deutschen Küstenfahrwassern setzt eine eigene Verordnung die Rangfolge und die Kreuzungsregel außer Kraft: Wer dem Fahrwasser folgt, ist Kurshalter gegenüber jedem, der quert. Und zwar ausdrücklich unabhängig davon, ob er auch außerhalb des Fahrwassers sicher fahren könnte. Verlockend ist die Antwort mit der Steuerbordseite, aber die Kreuzungsregel gilt hier gar nicht.
Die Zeichnungen zeigen die Lage neutral und verraten die Antwort nicht. Situationen nach den Kollisionsverhütungsregeln und der Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung.
See und binnen nebeneinander
| Frage | Auf See | Binnen |
|---|---|---|
| Worauf kommt es an? | Beweglichkeit des Fahrzeugs | Größe: Kleinfahrzeug oder nicht |
| Segel gegen Motor | Motor weicht dem Segler aus | nur zwischen Kleinfahrzeugen |
| Segelboot gegen Frachter | der Frachter weicht aus | du weichst aus, auch unter Segeln |
| Wann das Segel trotzdem nicht hilft | behindern darfst du nicht: ein Fahrzeug, das nur im engen Fahrwasser sicher fahren kann, und, sofern die Umstände es zulassen, eines, das seinen Tiefgang anzeigt | immer, sobald der andere kein Kleinfahrzeug ist |
| Kreuzende Kurse, zwei Motorboote | wer den anderen an Steuerbord hat | unter zwei Kleinfahrzeugen: wer den anderen an Steuerbord hat |
| Kreuzende Kurse, Motor trifft Segel | das Motorboot, unabhängig von der Seite | unter zwei Kleinfahrzeugen das Motorboot; größeren Fahrzeugen musst du den Raum lassen, den sie brauchen |
| Entgegengesetzte Kurse, zwei Motorboote | beide nach Steuerbord | unter zwei Kleinfahrzeugen: beide nach Steuerbord |
| Überholen | der Überholer weicht aus | kein Ausweichvorrang: überholen darf man nur, wenn es sicher geht. Unter Kleinfahrzeugen muss der Vorausfahrende das Überholen erleichtern; ein größeres Fahrzeug muss das gegenüber einem Kleinfahrzeug nicht |
| Blaulicht auf dem Wasser | kein eigener Rang in der Rangfolge | rechtzeitig nach Steuerbord ausweichen |
| Im deutschen Küstenfahrwasser | wer dem Fahrwasser folgt, hat Vorfahrt. Rangfolge und Kreuzungsregel gelten dort nicht, auch nicht für Segelboote | nicht anwendbar: hier gilt die Verordnung für die Seeschifffahrt, nicht die für die Binnenschifffahrt |
Häufige Fragen zu den Ausweichregeln
Auf See ja, innerhalb der Rangfolge der Kollisionsverhütungsregeln, und nur solange du nicht überholst. Binnen nur zwischen Kleinfahrzeugen. Gegenüber der Berufsschifffahrt gilt es binnen nicht.
Ein Fahrzeug mit einem Schiffskörper von weniger als 20 Metern größter Länge, gemessen ohne Ruder und Bugspriet. Die Verordnung nimmt fünf Arten aus: zum Schleppen oder Schieben größerer Fahrzeuge zugelassene Fahrzeuge, Fahrzeuge für mehr als zwölf Fahrgäste, Fähren, Schubleichter und schwimmende Geräte. Ein Sportboot ist keine davon, für dich zählt also allein die Länge.
Wenn beide Motorboote sind: du. Auf See weicht bei kreuzenden Kursen dasjenige Fahrzeug aus, das das andere an seiner Steuerbordseite hat, also rechts; binnen gilt das zwischen zwei Kleinfahrzeugen mit Maschine. Die Regel gilt aber nur zwischen Motorbooten. Kommt von rechts ein Segelboot und du fährst mit Maschine, weichst du ohnehin aus. Kommt von rechts ein größeres Fahrzeug, hast du binnen keinen Anspruch darauf, dass es ausweicht, und musst ihm den Raum lassen, den es für Kurs und Manöver braucht.
Wenn du dich von hinten näherst und auf das Heck des anderen Bootes schaust statt auf seine Seite. Nachts erkennst du dieselbe Lage daran, dass du nur sein weißes Hecklicht siehst und keines der farbigen Seitenlichter. In Grad ausgedrückt: mehr als 22,5 Grad hinter der Querlinie des anderen Bootes. Kannst du das nicht sicher erkennen, musst du annehmen, dass du überholst.
Binnen ja: Einem Fahrzeug mit blauem Funkellicht, zum Beispiel Wasserschutzpolizei, Feuerwehr oder einem Wasserrettungsfahrzeug im Einsatz, musst du als Kleinfahrzeug beim Begegnen, Kreuzen und Überholen rechtzeitig nach Steuerbord ausweichen.
Ein Fahrzeug, das wegen seiner Arbeit nicht frei manövrieren kann, etwa ein Baggerschiff oder ein Kabelleger. Es steht in der Rangfolge über Segel- und Maschinenfahrzeugen, ein Segler muss ihm also ausweichen.
Doch. Kurs und Geschwindigkeit zu halten ist selbst eine Pflicht, und du musst die Lage weiter beobachten. Sobald klar wird, dass der andere nicht angemessen ausweicht, darfst du selbst manövrieren. Sobald sein Manöver allein den Zusammenstoß nicht mehr verhindern kann, musst du es. Umgekehrt gilt: Wer ausweichpflichtig ist, muss das früh und deutlich tun, nicht in kleinen Schritten.
Nicht deshalb, weil dein Boot dort liegt: Die besondere Pflicht, vor liegenden Fahrzeugen langsamer zu werden, gilt gegenüber einem Kleinfahrzeug ausdrücklich nicht. Die allgemeine Pflicht gilt aber weiter, nämlich die Geschwindigkeit so zu wählen, dass schädlicher Wellenschlag und Sog vermieden werden. Du hast damit keinen Anspruch auf ruhiges Wasser, er darf aber auch nicht so schnell fahren, dass sein Wellenschlag Schaden anrichtet.
Binnen nicht. Unter größeren Fahrzeugen muss der Vorausfahrende mithelfen und notfalls langsamer werden. Gegenüber einem Kleinfahrzeug ist er dazu nicht verpflichtet.
Wo du das übst
Der Trainer oben zeigt neun Lagen als Zeichnung, jede in der Perspektive, aus der du sie am Ruder siehst. Nach der ersten Antwort erscheint dort der Knopf „Trainer neu starten“, du kannst die neun Lagen also beliebig oft durchgehen. Solche Lagen kommen in der Theorieprüfung in Varianten wieder.
Welches Regelwerk für dich zählt, hängt vom Revier ab: Der Sportbootführerschein Binnen gilt auf den Binnenschifffahrtsstraßen des Bundes, der Sportbootführerschein See auf den Seeschifffahrtsstraßen. Wer beides fährt, braucht beide Regelwerke im Kopf und nimmt den Kombikurs. Wie du die Zeichen am Wasser dazu liest, steht unter Seezeichen und Betonnung. Welche Kurse es gibt und was sie kosten, siehst du in der Kurs- und Preisübersicht.
Quellen: Kollisionsverhütungsregeln, Teil B, insbesondere Regel 18 Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung, Geltungsbereich und Fahrregeln im Fahrwasser Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung, Kleinfahrzeuge, Überholen, Wellenschlag und blaues Funkellicht ELWIS, Schifffahrtsrecht Geprüft am 27. Juli 2026.