Schleuse durchfahren: der Ablauf der ersten Schleusung

Anmelden, warten, einfahren, Leinen bedienen, ausfahren: der ganze Ablauf in der Reihenfolge, in der er passiert. Dazu die Lichtzeichen an der Schleuse und die Stellen, an denen es beim ersten Mal schiefgeht.

Von Felix Schoberwalter Aktualisiert am 10. August 2026 9 Min. Lesezeit
18:56
Bug eines weißen Motorboots in einer Schleusenkammer, daneben die nasse Betonwand mit einem Poller in einer Wandnische, im Hintergrund Steigleiter und Schleusentor

Das Wichtigste in Kürze

  • Rot und grün gleichzeitig heißt Einfahrt verboten. Die Öffnung der Schleuse wird erst vorbereitet.
  • Kein Licht und kein Schild heißt nicht freie Fahrt: Ohne Signal sind Einfahrt und Ausfahrt verboten, solange die Schleusenaufsicht nichts anderes anordnet.
  • Gibt es Signallichter mit dem Zusatzschild für Klein- und Sportfahrzeuge, gilt für dein Boot nur dieses Lichterpaar.
  • Klein- und Sportfahrzeuge werden nach den anderen Fahrzeugen geschleust und grundsätzlich in Gruppen. Mit Sprechfunk und rechtzeitiger Anmeldung ist eine Einzelschleusung möglich.
  • Der Motor muss nicht aus. Verboten ist, Maschinenantrieb und Bugstrahlanlage zwischen dem Festmachen und der Freigabe der Ausfahrt zu benutzen.
  • Die Leine läuft um den Poller und mit dem Ende zurück an Bord, wo sie in der Hand bleibt. Fest belegt wird sie nicht.
  • Innerhalb der Betriebszeiten kostet das Schleusen auf den Binnenwasserstraßen des Bundes nichts. Gebühren fallen nur für Sonderleistungen an, etwa für eine Schleusung außerhalb der Betriebszeit. Befahrungsabgaben erhebt allein der Nord-Ostsee-Kanal.

Was in der Schleuse mit deinem Boot passiert

In der Schleuse liegt dein Boot an einer hohen nassen Wand, oft neben einem Frachtschiff, und das Wasser bewegt sich. Beim Aufwärtsschleusen steigt es, und die Leine an Land wird zu lang. Beim Abwärtsschleusen sinkt es, und dieselbe Leine wird zu kurz. Deshalb muss das Boot die ganze Zeit festgemacht sein, und du bedienst die Leinen so, dass es nicht gegen die Wand, die Tore oder andere Boote stößt.

Genau daraus folgt die eine Regel, die an der Schleuse anders ist als an jedem Steg: die Leine wird geführt, nicht belegt. Am Steg bleibt der Abstand zwischen Boot und Poller gleich, dort darfst du festmachen und weggehen. In der Kammer ändert sich dieser Abstand die ganze Zeit, und zwar um die volle Hubhöhe. Eine fest belegte Leine kann dem nicht folgen. Deshalb läuft sie um den Poller herum und mit dem Ende zurück an Bord, wo eine Hand sie hält und laufend nachgibt oder dichtholt.

Der Schleusenbereich fängt nicht am Tor an. Dazu gehören auch die Wasserflächen ober- und unterhalb, auf denen du wartest, dich einordnest und festmachst: der Schleusenvorhafen. Legt die Behörde den Bereich anders fest, steht das auf weißen Tafeln mit schwarzem Rand und der Aufschrift Schleusenbereich. Ab dieser Grenze gelten andere Regeln als auf der freien Strecke: langsamer fahren, nicht überholen, Anker hochnehmen. Wer draußen auf der Strecke wem ausweicht, steht im Ratgeber zu den Ausweichregeln.

Für alle Binnenschifffahrtsstraßen des Bundes gilt dieselbe Ordnung: Main, Main-Donau-Kanal, Saar, Lahn, Havel, Elbe-Havel-Kanal und die deutsche Donau. Rhein und Mosel haben eigene Ordnungen, sind im Ablauf aber ähnlich. Der Nord-Ostsee-Kanal gehört zu den Seeschifffahrtsstraßen und hat andere Signale, dazu unten ein eigener Kasten.

Anweisungen der Schleusenaufsicht gehen allen anderen Regeln vor. Sie darf Anordnungen treffen, die die Verhaltensregeln ergänzen oder von ihnen abweichen, und du musst sie befolgen. Sagt dir jemand von der Schleuse etwas anderes, gilt das.

Aufwärts und abwärts sind zwei verschiedene Manöver

Beim Aufwärtsschleusen kommt das Wasser, beim Abwärtsschleusen geht es. Das klingt nach derselben Sache in zwei Richtungen. An Bord sind es zwei verschiedene Arbeiten, und in jeder Richtung geht etwas anderes schief.

Aufwärts: dichtholen, sonst treibt das Boot in die Mitte

Beim Füllen strömt das Wasser mit Wucht in die Kammer, und es strömt nicht gleichmäßig. Es schiebt das Boot von der Wand weg, dreht es und drückt es gegen den Nachbarn. Gleichzeitig steigt dein Boot, und die Leine, die eben noch stramm war, wird mit jedem Meter länger. Deine Arbeit ist deshalb Dichtholen, laufend und in kleinen Schritten. Wer einmal zu viel nachgibt, hat das Boot in der Kammermitte. Von dort holst du es ohne Maschine nur mit Mühe zurück, und die Maschine ist nach dem Festmachen bis zur Freigabe der Ausfahrt gesperrt.

Abwärts: nachgeben, sonst hängt das Boot an der Leine

Beim Leeren strömt das Wasser meist ruhiger, der Fehler in dieser Richtung ist ein anderer. Das Boot sinkt, die Leine bleibt gleich lang, und wenn niemand nachgibt, hängt das Boot irgendwann an ihr statt im Wasser zu schwimmen. Deshalb wird in der Kammer nichts fest belegt, auch nicht mit einem halben Schlag, der sich unter Last zuzieht. Schleusenpersonal berichtet, dass genau das bei Talschleusungen immer wieder passiert: ein Boot wird festgeknotet und hängt dann an der Wand. Und deshalb empfiehlt die Wasserstraßenverwaltung ein Kappmesser oder Kappbeil in Reichweite: eine Leine unter Last bekommst du sonst nicht mehr los. Deine Arbeit ist hier Nachgeben, gleichmäßig und ohne das Ende aus der Hand zu verlieren.

Dazu kommt der Boden. Unter jedem Schleusentor liegt eine Schwelle, der Drempel, und dort ist das Wasser flacher als im Rest der Kammer. Beim Abwärtsschleusen sinkt der Wasserstand über dieser Schwelle zuerst unter deinen Tiefgang. Deshalb bleibst du in der Kammer nicht direkt am Tor liegen, sondern mit Abstand davor. So weit vorn, dass die Nachfolger noch Platz finden, und so weit vom Tor weg, dass du nicht aufsetzt.

Ein Schwimmpoller nimmt dir das Nachführen ab, weil er mit dem Wasserstand mitfährt und der Abstand zwischen Boot und Poller gleich bleibt. Leine und Boot behältst du trotzdem im Auge. Belegen darfst du ihn aber erst, wenn das Boot steht. Wer ihn schon im Anlauf greift, hängt die Fahrt des Bootes an eine Führung, die dafür nicht gebaut ist. Ähnlich bequem ist eine senkrechte Haltestange in der Wand: die Leine liegt einmal um die Stange und gleitet daran mit dem Boot nach oben oder unten, umgelegt wird nichts.

Hohe nasse Betonwand einer Schleusenkammer mit einer schmalen senkrechten Nische bis zur Oberkante. Unten in der Nische, knapp über dem Wasser, ein Schwimmpoller auf einem Stahlkasten, weiter hinten eine Steigleiter.
Die Nische läuft über die ganze Wandhöhe, und der Schwimmpoller fährt darin mit dem Wasserstand nach oben. Deshalb bleibt der Abstand zwischen Boot und Poller gleich, und die Leine muss nicht umgelegt werden.

Die Wörter, die an der Schleuse fallen

Sechs Begriffe, die an der Schleuse in Aushängen und im Funk vorkommen.

Schleusenvorhafen
Wasserfläche ober- und unterhalb der Schleuse zum Warten, Einordnen und Festmachen. Sie gehört zum Schleusenbereich.
Kammer
Der Raum zwischen den Schleusentoren, in dem dein Boot gehoben oder gesenkt wird.
Nischenpoller
Poller in einer Aussparung der Kammerwand. Die Leine wird beim Schleusen auf den nächsten Nischenpoller mitgeführt.
Schwimmpoller
Poller, der in einer Führung mit dem Wasserstand mitfährt. Er darf erst belegt werden, wenn das Boot steht.
Drempel
Schwelle im Boden der Kammer unter dem Tor. Beim Abwärtsschleusen kann ein Boot darauf aufsetzen.
Klampe
Beschlag an Deck, um den eine Leine gelegt wird.

Warum Sportboote warten, und was dagegen hilft

Klein- und Sportfahrzeuge werden nur nach den anderen Fahrzeugen geschleust, und grundsätzlich nur in Gruppen. Ist Platz in der Kammer, kommen sie auch zusammen mit der Berufsschifffahrt mit. Bei Wasserknappheit im Sommer wird nur noch in Gruppen oder gemeinsam mit der Berufsschifffahrt geschleust, und die Wartezeiten steigen deutlich.

Von der Gruppenregel gibt es zwei Ausnahmen. Wird die Wartezeit unzumutbar, kann ausnahmsweise einzeln geschleust werden. Die zweite läuft über Sprechfunk: Wer sich rechtzeitig anmeldet, kann sogar ohne Wartezeit einzeln geschleust werden, sofern Verkehrsaufkommen, Verkehrslage und Stauhaltung es zulassen. Rechtzeitig heißt vor dem Vorhafen, nicht am Tor.

Pflicht ist Funk dafür nicht. Ein Kleinfahrzeug, also ein Boot unter 20 Metern, muss keine Funkanlage führen. Wer eine hat, muss im Schleusenbereich den Kanal der Schleuse auf Empfang haben, und den Kanal der nächsten Schleuse zeigt ein Schild am Ufer an. Du rufst mit dem Namen der Schleuse, und gesprochen wird deutsch. Der Anruf folgt einem festen Muster: erst der Name der Schleuse, dann „hier ist“ mit Bootstyp und Namen, dann Lage und Wunsch - etwa „Schleuse Hirschhorn, Schleuse Hirschhorn, hier ist Sportboot Luna, im Oberwasser, zu Tal, erbitte Schleusung“. Die zwei Vokabeln darin: das Oberwasser ist die Wasserseite oberhalb der Schleuse, zu Tal heißt flussabwärts. Mehr braucht die Schleusenaufsicht nicht, um dich einzuplanen.

Ist dein Boot kleiner als eine vorhandene Bootsschleuse, musst du diese benutzen. Ein freiwilliger Umweg ist sie nicht. Nur die Schleusenaufsicht kann etwas anderes anweisen. Wer eine Bootsschleuse, Bootsgasse oder Bootsumsetzanlage benutzen kann, steht damit auch nicht mehr hinter den anderen Fahrzeugen: die Regel, die Sportboote nach hinten stellt, gilt dort nicht. An der Mosel gilt das vom 1. April bis 31. Oktober für Boote unter 18 m Länge, unter 3,30 m Breite und mit weniger als 1,50 m Tiefgang. Ausgenommen ist dort die Anlage in Koblenz. Alle Anlagen für die Sportschifffahrt dürfen nur am Tage benutzt werden. Am Main gilt für Bootsschleusen und Umsetzanlagen zusätzlich eine Wasserstandsgrenze und ein Nachtverbot.

Welche Kurse es bei BootsschuleX gibt und was sie kosten, steht in der Kurs- und Preisübersicht.

Der Ablauf von der Anfahrt bis zur Ausfahrt

Neun Schritte in der Reihenfolge, in der sie passieren.

  1. Betriebszeiten prüfen und lange Leinen klarlegen

    Wann eine Schleuse arbeitet und wann sie gesperrt ist, ist je Wasserstraße verschieden. Sieh das für deine Strecke nach, bevor du ablegst. Verbindlich ist dabei nur die aktuelle Auskunft der Wasserstraßenverwaltung. Sie steht im Elektronischen Wasserstraßen-Informationssystem, kurz ELWIS, und in den Nachrichten für die Binnenschifffahrt. Dort stehen auch kurzfristige Einschränkungen, und die kommen häufiger vor, als die Verordnungslage vermuten lässt: eine gesperrte Kammer, verkürzte Zeiten wegen Personalmangels, eine Baustelle über die Saison. Ein Revierführer im Regal ist dafür zu langsam. Leinen vorn und hinten klarlegen, und zwar lange. Die Leine läuft um den Poller herum wieder zurück an Bord. Beim Schleusen nach unten brauchst du deshalb mindestens das Doppelte des Wasserstandsunterschieds, plus Reserve. Fender nach außen hängen, Rettungswesten an, Rollen verteilen. Das alles ist erledigt, bevor der Vorhafen in Sicht kommt.

    Wichtig: Auf der oberen, voll staugeregelten Lahnstrecke ruht der Schleusenbetrieb an Wochenenden und Feiertagen. Weiter flussabwärts bedienst du die Schleusen selbst, dort geht es von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Welche Strecke du fährst, entscheidet also, ob du am Samstag weiterkommst.

  2. Im Schleusenbereich Fahrt wegnehmen

    Sobald der Schleusenbereich anfängt, musst du langsamer werden. Hier gilt Überholverbot. Die Anker müssen vollständig hochgenommen sein. Ausrüstung, die außen übersteht, nimmst du nach innen, nur die Fender bleiben draußen. Kannst oder willst du nicht sofort einfahren, hältst du vor dem Halteschild am Ufer an. Hast du Funk an Bord, muss er auf dem Kanal der Schleuse auf Empfang stehen.

    Typischer Fehler: Das Boot läuft mit Fahrt in den Vorhafen, und erst dort wird sichtbar, dass rot steht.

  3. Anmelden und den eigenen Rang klären

    Jedes Fahrzeug, das neu eintrifft, muss sich bei der Schleusenaufsicht anmelden. Daraus ergibt sich, wann du dran bist: Geschleust wird nach der Reihenfolge des Eintreffens. Anders ist es an einer Schleuse, die du nicht selbst bedienen kannst. Warten dort schon mehr als fünf Fahrzeuge, zählt die Reihenfolge der Anmeldungen. An einer fernbedienten oder selbstbedienten Anlage läuft das über die Einrichtung vor Ort, und verbindlich ist dort, was auf den Schildern und Anzeigetafeln steht.

    Wichtig: Die einmal gewählte Schleuse darfst du ohne Erlaubnis der Schleusenaufsicht nicht wechseln.

  4. Am richtigen Platz warten

    Warte dort, wo Klein- und Sportfahrzeuge warten sollen. Den Startplatz erkennst du am Halteschild mit dem Zusatz Startplatz. Er gehört dem Fahrzeug, das im Schleusenrang als nächstes ansteht, und sonst niemandem. Anlegestellen von Fähren und Fahrgastschiffen bleiben frei. Wer nicht zur Schleusung ansteht, braucht zum Stillliegen im Schleusenbereich die Erlaubnis der Behörde oder der Schleusenaufsicht.

    Wichtig: Wer das Aufrücken versäumt, verliert für die anstehende Schleusung seinen Rang.

  5. Das Signal lesen, das für dich gilt

    Sieh vor der Einfahrt bewusst nach, welche Signalgruppe für dich gilt: die allgemeine oder die mit dem Zusatzschild für Klein- und Sportfahrzeuge. Die beiden Gruppen können gleichzeitig Verschiedenes zeigen. Stehen mehrere Schleusen nebeneinander, zeigen zwei weiße Lichter die Kammer an: du nimmst die Seite mit dem taktenden Licht. Takten beide, sind beide Schleusen benutzbar. Sind beide weißen Lichter fest, wartest du, bis dir eine Schleuse zugewiesen wird.

    Typischer Fehler: Rot und grün gleichzeitig werden als Startvorbereitung gelesen, und das Boot fährt los.

  6. Nach der Berufsschifffahrt einfahren

    Wirst du gemeinsam mit anderen Fahrzeugen geschleust, fährst du erst nach ihnen ein, und erst nachdem die Schleusenaufsicht dich dazu auffordert. Nur wenn du vor einem wartenden Fahrzeug geschleust werden sollst oder dich in eine vorhandene Lücke legst, darfst du daran vorbeifahren. Ein Frachter, der in der Kammer festmacht, arbeitet dabei noch mit der Maschine, und sein Schraubenwasser füllt die halbe Kammer. Ein Sportboot, das in diese Strömung hineinfährt, lässt sich kaum noch steuern. Warte also, bis er fest liegt und das Wasser hinter ihm ruhig ist, und leg dich nicht direkt an sein Heck. So langsam einfahren, dass du das Boot mit Leinen sicher abstoppen könntest und ein Anprall an Tor, Schutzvorrichtungen oder andere Boote ausgeschlossen ist. Wer beim Schleusen gebraucht wird, ist ab jetzt an Deck, bis die Ausfahrt beendet ist.

    Typischer Fehler: Das Boot fährt dem Frachter nach, während der noch mit der Maschine an die Wand drückt, und wird von seinem Schraubenwasser erfasst.

  7. Weit genug hineinfahren und festmachen

    Fahr so weit hinein, dass die Nachfolger die Kammer noch nutzen können. Ist die Kammerwand markiert, bleibst du innerhalb dieser Grenzen. Zu einem Fahrzeug mit blauem Kegel oder blauem Licht, also mit Gefahrgut, hältst du seitlich mindestens 10,00 m Abstand. Zum Anhalten nur Kanten- und Nischenpoller benutzen. Einen Schwimmpoller belegst du erst, wenn das Boot steht.

    Typischer Fehler: Ein Schwimmpoller wird schon im Anlauf belegt, das reißt ihn oder die eigene Klampe heraus.

  8. Leinen bedienen, solange das Wasser läuft

    Während des Füllens und Leerens und bis die Ausfahrt frei ist, muss das Boot festgemacht sein. Beim Aufwärtsschleusen holst du laufend dichter, beim Abwärtsschleusen lässt du locker mitlaufen und hältst Abstand zu den Toren und zum Drempel. An Nischenpollern wandert die Leine mit: jeder Poller deckt nur einen Abschnitt der Wand ab. Kommt deiner an seine Grenze, legst du die Leine auf den nächsten um. Erst die neue Bucht auflegen, dann die alte lösen - sonst hängt das Boot einen Moment an gar nichts. Dieses Umlegen, während das Boot steigt oder sinkt, ist der Teil der Schleusung, der Übung braucht. Nach dem Festmachen sind Maschinenantrieb und Bugstrahlanlage bis zur Freigabe der Ausfahrt verboten, außer die Sicherheit verlangt es kurz. Laufen dürfen Antriebs- und Hilfsmaschinen weiter, soweit der Schiffs- und Bordbetrieb sie braucht.

    Typischer Fehler: Die Leine bleibt schlaff, und das Boot treibt beim Aufwärtsschleusen in die Kammermitte.

  9. Erst auf Freigabe ausfahren

    Erst wenn die Ausfahrt freigegeben ist, holst du die Leinen ein. Dabei darf keine ins Wasser fallen, weil sie in die Schraube geraten kann. Dann langsam und vorsichtig hinaus, in der Reihenfolge, die die Schleusenaufsicht vorgibt. Fährt ein Berufsschiff vor dir aus, bleibst du an der Leine, bis sein Schraubenwasser sich beruhigt hat. Liegen mehrere Kammern nebeneinander und ist für alle die Ausfahrt frei, hat das von Steuerbord kommende Fahrzeug Vorfahrt.

    Typischer Fehler: Nach der Freigabe wird sofort beschleunigt und dabei ein Boot übersehen, das aus der Nachbarkammer kommt.

Stählernes Schleusentor von innen aus der Kammer gesehen, genietete Platten mit Rost und Algen, an der Oberkante läuft noch Wasser herunter
Von innen siehst du, womit du es zu tun hast: die Wände sind nass, glatt und höher als jeder Steg, an dem du sonst festmachst.

Welches Licht heißt was

Was du siehst Was es bedeutet
Zwei rote Dauerlichter übereinander Was es bedeutet: Einfahrt verboten, die Schleuse ist außer Betrieb.
Ein rotes Dauerlicht, oder zwei rote nebeneinander Was es bedeutet: Einfahrt verboten, die Schleuse ist geschlossen.
Eines von zwei roten Lichtern nebeneinander geht aus Was es bedeutet: Einfahrt weiter verboten. Die Öffnung wird vorbereitet.
Ein rotes und ein grünes Dauerlicht, neben- oder übereinander Was es bedeutet: Einfahrt weiter verboten. Die Öffnung wird vorbereitet.
Ein grünes Dauerlicht, oder zwei grüne nebeneinander Was es bedeutet: Einfahrt erlaubt.
Rotes Taktlicht mit dem Zusatzschild für Klein- und Sportfahrzeuge Was es bedeutet: Einfahrt für Klein- und Sportfahrzeuge verboten.
Grünes Taktlicht mit demselben Zusatzschild Was es bedeutet: Einfahrt für Klein- und Sportfahrzeuge erlaubt.
Ein oder zwei rote Dauerlichter am Ausfahrtsignal Was es bedeutet: Ausfahrt verboten.
Ein oder zwei grüne Dauerlichter am Ausfahrtsignal Was es bedeutet: Ausfahrt erlaubt.
Kein Licht und kein Schild Was es bedeutet: Einfahrt und Ausfahrt verboten, solange die Schleusenaufsicht nichts anderes anordnet.
Alle Zeilen stehen so in der Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung, im Abschnitt über die Sichtzeichen an Schleusen. Statt der roten Lichter kann das Verbotszeichen für die Durchfahrt gesetzt sein, statt der grünen das Erlaubniszeichen. Dauerlicht heißt: ruhig brennend. Taktlicht heißt: es kehrt in gleichmäßigem Takt wieder, bei den Signalen für Klein- und Sportfahrzeuge alle 12 Sekunden.

Leinen und Verhalten in der Kammer

Drei Punkte hier stehen nicht in der Verkehrsordnung, sondern in den Wassersport-Broschüren der Wasserstraßenverwaltung: nicht fest belegen, ein Kappmesser in Reichweite haben, die Steigleitern nicht zum Aufsteigen benutzen. Die Verwaltung empfiehlt das, vorgeschrieben ist es nicht.

So machst du es

  • Die Leine um den Poller legen und das Ende zurück an Bord holen, damit sie sich jederzeit lösen lässt
  • Die Leine unter der Reling hindurch zum Poller führen, nicht über sie: eine Reling trägt diese Last nicht, eine Klampe schon
  • Das Ende an Bord um eine Klampe legen und in der Hand behalten, damit du das Boot auch unter Last hältst
  • Jede ausgebrachte Leine mit einer Person besetzen und eine Person am Ruder lassen, zu zweit oder allein also nur eine Leine benutzen
  • Beim Aufwärtsschleusen laufend dichter holen, beim Abwärtsschleusen locker mitlaufen lassen
  • Fender verwenden, und zwar schwimmfähige, wenn sie nicht fest am Boot hängen
  • Nischenpoller und Haltestangen benutzen
  • Ein Kappmesser oder Kappbeil in Reichweite haben

So geht es schief

  • Leine an Bord auf Klampe oder Poller fest belegen
  • Einen Schwimmpoller schon während der Einfahrt belegen
  • Über die Steigleitern in der Kammerwand auf- oder absteigen
  • Nach dem Festmachen mit Maschine oder Bugstrahlanlage nachschieben
  • Direkt am Schleusentor liegen bleiben
  • Das Boot mit Händen oder Füßen von der Wand abhalten: was zwischen Bordwand und Beton gerät, wird gequetscht
  • Zwei Leinen ausbringen und beide selbst bedienen, während niemand am Ruder steht
  • Ohne Erlaubnis der Schleusenaufsicht Leute in der Kammer ein- oder aussteigen lassen

Sieben Fragen zum Selbsttest

Die Fragen sind im Wortlaut der Prüfung, die Antwortmöglichkeiten in anderer Reihenfolge. Sechs davon gehören zur Binnen-Prüfung, die zum Nord-Ostsee-Kanal zur See-Prüfung.

  1. „Was bedeuten diese Lichter vor einer Schleuse?“

    Zwei grüne Lichter nebeneinander heißen Einfahrt erlaubt, und der Katalog ergänzt: Gegenverkehr gesperrt, aus der Kammer kommt dir also nichts entgegen. Grün heißt trotzdem nicht sofort los: langsam einfahren, und wenn du gemeinsam geschleust wirst, nach den anderen.

  2. „Welche Bedeutung haben vor einer Schleuse ein rotes oder ein rotes und ein grünes Licht?“

    Einfahrt verboten, in beiden Fällen. Rot und grün zusammen heißt nur, dass die Öffnung vorbereitet wird - eine Erlaubnis ist das noch nicht. Erst grün allein gibt frei.

  3. „In welcher Reihenfolge fahren Fahrzeuge, die nicht Kleinfahrzeuge sind, und Kleinfahrzeuge, die gemeinsam geschleust werden sollen, in die Schleuse ein?“

    Nach den anderen, und erst nach Aufforderung durch die Schleusenaufsicht. Die Falschantworten drehen eines der beiden Wörter um oder beide.

  4. „Mehrere Kleinfahrzeuge sollen gemeinsam vom Oberwasser in das Unterwasser geschleust werden. Worauf ist bei deren Einfahrt in die Schleuse und während des Schleusens besonders zu achten?“

    Vom Oberwasser ins Unterwasser heißt abwärts, die Kammer wird geleert. Die Schwelle unter dem Tor, durch das ihr eingefahren seid, liegt hoch, und beim Leeren sinkt das Wasser darüber zuerst unter den Tiefgang. Das letzte Boot liegt diesem Tor am nächsten und muss deshalb weit genug hinein. Der Satz zu den Leinen steht in allen vier Antworten gleich, entscheiden musst du zwischen erstem und letztem Boot und zwischen Füllen und Leeren.

  5. „Warum ist es bei der Schleusendurchfahrt verboten, Autoreifen als Fender zu benutzen?“

    Sie schwimmen nicht. Ein Fender, der nicht fest am Boot hängt, muss in der Schleuse schwimmfähig sein: geht er verloren, treibt er oben und lässt sich herausfischen, statt in der Kammer zu versinken.

  6. „Welches Fahrzeug führt am Bug einen roten Wimpel?“

    Der rote Wimpel zeigt ein Vorrecht auf Schleusung, das die Behörde erteilt hat oder das ein Tagesausflugsschiff nach festem Fahrplan besitzt: dieses Fahrzeug wird vor den wartenden geschleust. Gefahrgut zeigt sich mit blauen Kegeln oder blauen Lichtern, nicht mit einem Wimpel.

  7. „Bei welchem Signal dürfen Sportfahrzeuge in die Schleusen des Nord-Ostsee-Kanals einfahren?“

    Am Nord-Ostsee-Kanal zählt für Sportboote nur das einzelne unterbrochene weiße Licht. Jedes andere Signal, auch ein grünes, heißt dort für dich Einfahrt verboten. Das grüne Gleichtaktlicht ist das Sportboot-Signal der Binnenschleusen, nicht das des Kanals.

Häufige Fragen zur Schleusung

Beides ist erlaubt, und in Lehrvideos hörst du beides. Die Verordnung verbietet nur, Maschine und Bugstrahlanlage nach dem Festmachen zu benutzen. Wer den Motor laufen lässt, kann sofort reagieren, wenn eine Leine reißt oder das Boot in die Kammermitte treibt. Wer ihn abstellt, hat Ruhe und keine Abgase in der Kammer. Bei einem Außenborder gilt dasselbe: Leerlauf ist kein Benutzen, ein Schub schon.

Die Wasserstraßenverwaltung sagt dazu klar: die Leitern dienen der Rettung und Hilfeleistung, nicht dem Auf- und Absteigen mit Leinen. Ein Verbot in der Verkehrsordnung ist das nicht, ein Grund, es trotzdem zu tun, auch nicht. Zum Festmachen sind Nischenpoller und Haltestangen da.

Ein allgemeines Rauchverbot für Schleusen gibt es in der Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung nicht. Örtlich kann die Schleusenaufsicht aber eine abweichende Anordnung treffen. Ein bestehendes Verbot wird durch runde weiße Tafeln mit rotem Rand angezeigt.

Das amtliche Merkblatt über das Verhalten in Schleusen sagt: in jedem Fall während des Schleusens Rettungswesten tragen. Eine allgemeine gesetzliche Tragepflicht für private Boote folgt daraus nicht - das Merkblatt ist eine dringende Empfehlung, und auf Charterbooten muss es an Bord sein.

Das steht je Wasserstraße in einer eigenen Verordnung. An Main, Main-Donau-Kanal und der deutschen Donau wird ganzjährig ganztägig geschleust, der Tagverkehr läuft von 6:00 bis 22:00 Uhr. An nicht fernbedienten Schleusen ist die letzte Einfahrt im Tagverkehr um 21:30 Uhr.

Anmeldung und Freigabe laufen über die Bedieneinrichtung und die Anzeigetafel vor Ort; die Benutzungshinweise hängen an der Anlage aus. Wie so ein Ablauf konkret aussieht, zeigt der Kasten zur Müritz-Elde-Wasserstraße weiter oben. Ist eine Schleuse nicht für die Bedienung durch die Besatzung eingerichtet, darfst du sie nur mit Erlaubnis der Schleusenaufsicht bedienen.

Geschrieben von

Felix Schoberwalter

Fachredaktion BootsschuleX

Zuletzt geprüft und aktualisiert am 10. August 2026

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