Richtig ankern: Schritt für Schritt für Anfänger

Mittagspause in der Bucht, Baden vom Boot: Dafür muss der Anker im Grund halten. Du brauchst einen passenden Platz, genug Kette oder Leine und einen Blick darauf, ob das Boot liegen bleibt.

Felix Schoberwalter Von Felix Schoberwalter Aktualisiert am 29. September 2026 7 Min. Lesezeit
5:34
Blick über das Vorschiff eines weißen Motorboots: Die Ankerkette läuft mittig über die Bugrolle geradeaus nach vorn ins klare Wasser eines ruhigen Sees

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein guter Ankerplatz ist erlaubt, gegen den erwarteten Wind geschützt und bietet genug Wassertiefe und Abstand zu anderen Booten.
  • Beim einfachen Ankermanöver liegt das Boot an einem Anker am Bug. Der Anker wird kontrolliert abgesenkt, nicht geworfen.
  • Wie viel Kette oder Leine du brauchst, hängt von Tiefe, Ausrüstung und Bedingungen ab. Der Hersteller Rocna nennt für seine Anker bei ruhigem Wetter etwa das Fünffache des senkrechten Abstands.
  • Ob der Anker hält, prüfst du an festen Punkten an Land, beim Ankern und während des ganzen Aufenthalts.

Einen passenden Ankerplatz auswählen

Für die ersten Versuche eignet sich ein geschützter Platz bei ruhigem Wetter und Tageslicht. Der Ablauf unten beschreibt ein Motorboot oder eine Segelyacht, die unter Motor an einen einzelnen Anker am Bug geht, also am vorderen Ende. Mach dich vorher mit Anker, Kette und Winde deines Bootes vertraut.

Schau zuerst in die Vorhersage für Wind und Wetter. Eine Bucht, die bei der Ankunft geschützt ist, kann nach einer Winddrehung offen zu Wind und Welle liegen. Wähle den Platz deshalb für die Bedingungen deines ganzen Aufenthalts.

Auf der Karte siehst du Tiefe, Grund und mögliche Verbote. Guten Halt geben Sand, Schlick, weicher Ton und Lehm. Steiniger, verkrauteter oder stark schlammiger Grund ist ungeeignet. Seegras meidest du auch deshalb, weil es ein empfindlicher Lebensraum ist. Auf Fels greift ein Anker schlecht oder verklemmt sich.

Plane Platz rund ums Boot ein. Wind und Strömung drehen es um den Anker. Das heißt schwojen, die Fläche dafür Schwojkreis. Sie muss frei von Ufer, Untiefen und anderen Booten bleiben. Nachbarboote schwojen auch, aber nicht unbedingt im gleichen Takt wie deins.

Unter dem Boot muss genug Wasser bleiben. In einem Gezeitenrevier rechnest du mit dem niedrigsten Wasserstand während deines Aufenthalts. Dazu kommt der Tiefgang deines Bootes: der Abstand von der Wasseroberfläche bis zu seinem tiefsten Punkt, Kiel eingeschlossen.

Zwei kleine weiße Motorboote liegen weit auseinander vor Anker auf einem ruhigen See, im Vordergrund Schilf am Ufer
Viel freies Wasser zwischen den Booten und zum Ufer: So bleibt Raum, wenn sich beide um ihren Anker drehen.

Wo darfst du ankern?

Eine freie Wasserfläche ist nicht automatisch ein Ankerplatz. Beachte die Regeln des Gewässers, aktuelle Bekanntmachungen, Schutzgebiete und die Schilder vor Ort.

Auf Schifffahrts- und Schleusenkanälen ist Ankern verboten, wo die Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung gilt. Erlaubt ist es dort nur auf der Seite, die ein Ankerschild ausdrücklich freigibt. Dazu kommen Liegeverbote, etwa an Hafeneinfahrten und in der Fahrlinie von Fähren.

Auf deutschen Seeschifffahrtsstraßen ist Ankern im Fahrwasser verboten. Ausgenommen sind Reeden, also ausgewiesene Ankergebiete, die für dein Boot zugelassen sind. Auch außerhalb des Fahrwassers ist Ankern verboten, zum Beispiel vor Hafeneinfahrten und im Umkreis von 300 Metern um Kabel und Rohrleitungen unter Wasser.

Vor dem Manöver vorbereiten

  • Aufgaben absprechen: Wer steuert, wer bedient den Anker, und welches Handzeichen heißt Stopp?
  • Anker, Kette oder Leine und die Schäkel prüfen, also die Metallbügel mit Bolzen, die die Teile verbinden. Das Ende ist am vorgesehenen Punkt im Boot gesichert.
  • Kette oder Leine so bereitlegen, dass sie frei ausläuft und du ihre Länge ablesen kannst, etwa an Markierungen.
  • Wissen, wie die Ankerwinde bedient wird und wie du die Kette so sicherst, dass der Zug nicht allein auf der Winde liegt.
  • Rettungsweste an, sicherer Stand. Hände, Füße, lose Kleidung und Haare bleiben weg von laufender Kette und Winde.
  • Keine Schwimmer oder Taucher in der Nähe, keine lose Leine, die in den Propeller geraten kann.

Wie viel Kette oder Leine brauchst du?

Der Zug am Anker soll möglichst flach über den Grund laufen. Dann kann er sich eingraben. Eine zu kurze Verbindung zieht ihn nach oben und aus dem Grund. Deshalb reicht es nicht, nur so viel Kette zu geben, bis der Anker den Boden berührt.

Gerechnet wird vom Grund bis zu dem Punkt am Bug, an dem Kette oder Leine das Boot verlässt. Bei einer Bugrolle liegt dieser Punkt über dem Wasser und zählt mit. Steigt das Wasser während deines Aufenthalts, rechnest du den höheren Stand ein.

Der Ankerhersteller Rocna nennt für seine Anker bei gewöhnlichen Bedingungen etwa 5:1 als Richtwert: fünf Meter Kette je Meter senkrechtem Abstand. Für andere Anker, Leine statt Kette oder mehr Wind kann mehr nötig sein. Maßgeblich ist die Anleitung deiner Ausrüstung.

Lässt die nötige Länge keinen Abstand mehr zu den Nachbarn, suchst du einen anderen Platz. Weniger Kette zu geben, damit das Boot in eine enge Lücke passt, löst das Problem nicht.

Das Ankermanöver Schritt für Schritt

  1. Den Platz langsam anfahren

    Fahr mit dem Bug gegen Wind oder Strömung, je nachdem, was stärker wirkt. Beobachte, wie das Boot versetzt wird, halte Abstand zu den anderen und prüfe die Tiefe noch einmal.

  2. Die Fahrt aufstoppen

    Stoppe am geplanten Punkt, bis das Boot über Grund steht. Der Anker soll kein Boot abbremsen, das noch vorwärts fährt. Dann gibst du der Person am Bug das vereinbarte Zeichen.

  3. Den Anker kontrolliert absenken

    Lass den Anker bis zum Grund hinab. Während das Boot langsam zurücktreibt oder vorsichtig rückwärts fährt, gibst du nach und nach Kette oder Leine. So liegt sie nicht als Haufen auf dem Anker.

    Typischer Fehler: Der Anker wird mit einem Bündel Leine über Bord geworfen, und die Leine verheddert sich am Anker.

  4. Die geplante Länge ausgeben und belegen

    Lies an den Markierungen ab, ob die geplante Länge draußen ist. Dann sicherst du die Kette so, wie es die Anleitung deiner Winde vorsieht, etwa mit einem Kettenstopper, damit der Zug nicht allein auf der Winde liegt.

  5. Prüfen, ob der Anker hält

    Gib langsam etwas Rückwärtsschub, bis Zug auf der Kette ist. Hält der Anker, bleibt das Boot gegenüber festen Punkten an Land stehen. Kein Anlauf, kein ruckartiger Zug auf Kette, Beschläge und Crew.

    Wichtig: Rutscht das Boot weiter, holst du den Anker auf und setzt ihn an einer passenden Stelle neu.

  6. Die Lage kontrollieren

    Vergleiche deine Position mit festen Punkten an Land und behalte den Abstand zu Ufer und Nachbarn im Blick. Ein GPS-Ankeralarm hilft zusätzlich. Liegt das Boot zuverlässig, stellst du den Motor ab.

Woran erkennst du, ob der Anker hält?

Ein Boot vor Anker liegt nie ganz still. Es dreht sich und pendelt seitlich. Aufpassen musst du, wenn sich der ganze Bereich verschiebt: Das Boot kommt zum Beispiel stetig näher ans Ufer, obwohl der Wind gleich bleibt.

Merk dir zwei oder drei feste Punkte an Land und peile sie in Abständen erneut. Der Abstand zu anderen Booten hilft zusätzlich, allein reicht er aber nicht: Das andere Boot schwojt selbst oder treibt.

Ein Ankeralarm meldet, wenn dein Gerät den eingestellten Kreis verlässt. Stell ihn nach der tatsächlichen Ankerposition, der ausgegebenen Länge und der Anleitung des Geräts ein. Ist der Kreis zu klein, piept er beim normalen Schwojen, ist er zu groß, warnt er spät. Hinschauen ersetzt er nicht.

Rutscht der Anker, handelst du früh. Bring das Boot unter Kontrolle und halte Abstand zu Gefahren. Hol den Anker auf und setz ihn neu oder verlass den Platz, solange noch Raum zum Nachbarn bleibt.

Nach einer Änderung von Wind, Strömung oder Wasserstand prüfst du erneut. Auf See zeigst du vor Anker tagsüber einen schwarzen Ball, den Ankerball. Boote unter 7 Metern brauchen ihn nicht, wenn sie abseits von Fahrwasser, Reede und üblichen Verkehrswegen liegen. Auf den amtlich bekanntgemachten Anker- und Liegeflächen deutscher Seeschifffahrtsstraßen brauchen ihn auch Boote unter 12 Metern nicht. Binnen verlangt die Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung von Kleinfahrzeugen keinen Ankerball. Nachts brauchen sie dort grundsätzlich ein weißes Rundumlicht auf der Fahrwasserseite; Ausnahmen gelten etwa für Beiboote und für Liegeplätze, die vom Ufer aus ausreichend beleuchtet sind. Mehr dazu steht bei der Lichterführung.

Liegst du auf einer Seeschifffahrtsstraße in der Nähe des Fahrwassers oder auf einer Reede, hältst du ständig Ankerwache: Eine Person bleibt wach an Bord und behält Position, Verkehr und Wetter im Blick. Ausgenommen sind Boote unter 12 Metern auf den amtlich bekanntgemachten Anker- und Liegeflächen.

Den Anker wieder aufholen

  1. Die Abfahrt vorbereiten

    Prüfe, ob der Weg frei ist, starte den Motor und sprich die Handzeichen mit der Person am Bug ab. Bevor du einkuppelst, sind keine Schwimmer in der Nähe und keine Leinen am Propeller.

  2. Langsam zum Anker fahren

    Fahr langsam auf den Anker zu, während die Person am Bug die lose Kette oder Leine einholt. Stimme Fahrt und Einholen so ab, dass du nicht über die Kette fährst und die Winde nur lose Kette einholt.

  3. Den Anker lösen und sichern

    Zeigt die Kette fast senkrecht nach unten, brichst du den Anker aus dem Grund und holst ihn an Bord. Sichere ihn für die Weiterfahrt. Die Hände bleiben weg von bewegten Teilen.

    Wichtig: Sitzt der Anker fest, zerrst du nicht mit Motor oder Winde. Halte das Boot unter Kontrolle und hol fachkundige Hilfe, wenn er sich nicht lösen lässt.

Häufige Fragen zum Ankern

Der Ablauf hier gilt für einen einzelnen Anker am Bug. Dann dreht sich das Boot mit dem Bug in Wind und Welle. Manöver mit Heckanker oder zwei Ankern sind ein eigenes Thema und gehören nicht zu diesem Einstieg.

Ja. Auf kleinen Booten wird der Anker oft von Hand abgesenkt und eingeholt. Wichtig ist, dass du ihn kontrolliert führst. Wickle die Leine nie um Hand oder Körper und belege sie am vorgesehenen Punkt im Boot.

Gut halten Sand, Schlick, weicher Ton und Lehm. Harter Ton und Lehm halten weniger gut. Steiniger, verkrauteter und stark schlammiger Grund ist ungeeignet. Welcher Grund dich erwartet, steht in der Seekarte oder Gewässerkarte.

Quellen: ELWIS: Fragenkatalog SKS, Seemannschaft II BinSchStrO § 7.03: Ankern BinSchStrO § 7.02: Liegeverbote SeeSchStrO § 32: Ankern Kollisionsverhütungsregeln, Regel 30 Stand September 2026. Örtliche Regeln und die Anleitung deiner Ausrüstung gehen vor.

Felix Schoberwalter

Geschrieben von

Felix Schoberwalter

Fachredaktion BootsschuleX

Zuletzt geprüft und aktualisiert am 29. September 2026

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