Kardinalzeichen: auf welcher Seite vorbei, und wie du sie nachts erkennst

Am Nordzeichen fährst du nördlich vorbei, am Südzeichen südlich. Nachts zählst du die Funkel, und die Zahl folgt dem Zifferblatt einer Uhr.

Felix Schoberwalter Von Felix Schoberwalter Aktualisiert am 7. Oktober 2026 8 Min. Lesezeit
5:37
Nordkardinaltonne bei Tag vor einer flachen Küste: oben schwarz, unten gelb, darüber eine Laterne und zwei schwarze Kegel mit den Spitzen nach oben

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Kardinalzeichen trägt den Namen der Seite, auf der es neben einer Gefahrenstelle liegt. Auf dieser Seite fährst du vorbei: am Nordzeichen nördlich, am Ostzeichen östlich, am Südzeichen südlich, am Westzeichen westlich.
  • Es zählt die Himmelsrichtung, nicht deine Fahrtrichtung. Ein Westzeichen passierst du westlich, ob du nach Norden oder nach Süden fährst.
  • Am Tag erkennst du Kardinalzeichen an zwei schwarzen Kegeln als Toppzeichen und an Schwarz und Gelb. Die Form der Tonne sagt nichts.
  • Befeuerte Kardinalzeichen zeigen nachts ein weißes Funkelfeuer. Die Zahl der Funkel folgt dem Zifferblatt: Ost 3, Süd 6 und ein langer Blink, West 9, Nord funkelt ohne Pause.
  • Ein Kardinalzeichen sagt dir die sichere Seite, aber nicht, wie weit die Gefahrenstelle reicht. Das zeigt die Seekarte.

Auf welcher Seite du ein Kardinalzeichen passierst

Der Name eines Kardinalzeichens nennt die Seite, auf der du vorbeifährst. Ein Nordzeichen liegt nördlich einer Gefahrenstelle, und nördlich von ihm ist das Wasser sicher. Für Ost, Süd und West gilt dasselbe.

Die Gefahrenstelle ist dabei der Mittelpunkt, um den vier Bereiche liegen, die Quadranten. Der Nordquadrant reicht von Nordwest bis Nordost, der Ostquadrant von Nordost bis Südost, der Südquadrant von Südost bis Südwest und der Westquadrant von Südwest bis Nordwest. Ein Zeichen heißt so wie der Quadrant, in dem es liegt.

Gemeint sind die Himmelsrichtungen, nicht links und rechts von deinem Boot. Fährst du nach Norden und hast ein Westzeichen voraus, bleibt es an deiner rechten Seite, an Steuerbord. Fährst du nach Süden, bleibt dasselbe Zeichen an Backbord. Du bist in beiden Fällen westlich davon.

Markiert werden so Untiefen, Wracks, Buhnen und andere Hindernisse. Das internationale Betonnungssystem der Internationalen Organisation für Navigationshilfen in der Schifffahrt (IALA) nennt weitere Fälle: Ein Kardinalzeichen kann das tiefste Wasser in einem Gebiet anzeigen oder auf eine Kurve, eine Abzweigung oder das Ende einer Untiefe in einem Fahrwasser hinweisen.

Es müssen nicht alle vier liegen

Die Verordnung für die Seeschifffahrt sagt, eine Gefahrenstelle wird mit einem oder mehreren Kardinalzeichen bezeichnet. Das Bild mit vier Tonnen rund um eine Untiefe ist ein Lehrbild. Siehst du nur ein Südzeichen, weißt du: Südlich davon ist das Wasser sicher. Über die anderen Seiten sagt das Zeichen nichts, dort kann tiefes Wasser sein oder nicht.

Wie groß die Gefahrenstelle ist und wie weit du dich fernhalten musst, zeigt die Seekarte.

Am Tag: Toppzeichen und Farbe

Die Kegelspitzen zeigen zur schwarzen Fläche, das erklärt der Ratgeber zu Seezeichen und Betonnung. Dazu gilt:

  • Die Form der Tonne sagt dir nichts. Ein Kardinalzeichen kann eine Leuchttonne sein, also eine Tonne mit Licht, eine Bakentonne mit Gerüstaufbau, eine Spierentonne oder eine Stange. Anders als bei der roten Stumpftonne und der grünen Spitztonne erkennst du es nur an Farbe und Toppzeichen.
  • Das Toppzeichen ist immer da. Bei den roten und grünen Tonnen schreibt die Verordnung „wenn vorhanden“ dazu, bei den Kardinalzeichen nicht. Die beiden schwarzen Kegel sind deshalb am Tag das sicherste Merkmal, auch im Gegenlicht.
  • Eine Beschriftung ist freiwillig. Gibt es eine, nennt sie die Gefahrenstelle (abgekürzt) oder die Kompassrichtung.

Die vier Zeichen am Tag

Zeichen Farbe Kegelspitzen Auf der Uhr
Nordzeichen schwarz über gelb beide nach oben 12 Uhr
Ostzeichen schwarz mit breitem gelbem Band voneinander weg, Basis an Basis 3 Uhr
Südzeichen gelb über schwarz beide nach unten 6 Uhr
Westzeichen gelb mit breitem schwarzem Band zueinander, Spitze an Spitze 9 Uhr
Die Kegel sind immer schwarz. Ost und West haben ein einzelnes breites Band, Nord und Süd sind zwei Flächen.

Die vier Kennungen in Echtzeit

Die vier Kardinalzeichen mit schnellem Funkelfeuer: Nord ohne Pause, Ost 3, Süd 6 und ein langer Blink, West 9.

Draufsicht auf eine Gefahrenstelle, Norden oben, die vier Kardinalzeichen auf 12, 3, 6 und 9 Uhr. Jedes Zeichen funkelt weiß seine Kennung: Nord ohne Pause, Ost dreimal alle fünf Sekunden, Süd sechsmal und dann einmal gut zwei Sekunden lang, alle zehn Sekunden, West neunmal alle zehn Sekunden. Daneben läuft zu jedem Zeichen ein Kennungsband mit Funkeln und Pausen mit.

Nachts: Funkel zählen wie auf einer Uhr

Nachts leuchten befeuerte Kardinalzeichen weiß, sie unterscheiden sich nur im Rhythmus. Sie funkeln: Das Licht geht in kurzem, gleichmäßigem Takt an und aus. Ein Funkelfeuer zeigt nach der Verordnung 60 Lichterscheinungen pro Minute, also eine pro Sekunde. Das schnelle Funkelfeuer ist etwa doppelt so schnell, die Verordnung nennt 100 bis 120 pro Minute. Beide Varianten sind für jedes der vier Zeichen erlaubt.

Die Zahl der Funkel merkst du dir am Zifferblatt, so nennt es auch die IALA:

  • Ost liegt auf 3 Uhr: 3 Funkel, dann Pause.
  • Süd liegt auf 6 Uhr: 6 Funkel und ein langer Blink, dann Pause.
  • West liegt auf 9 Uhr: 9 Funkel, dann Pause.
  • Nord liegt auf 12 Uhr: Funkeln ohne Pause.

Der lange Blink beim Südzeichen dauert nach der deutschen Verordnung mehr als zwei Sekunden, bei der IALA und im Fragenkatalog mindestens zwei Sekunden. Er soll verhindern, dass sechs Funkel mit drei oder neun verwechselt werden. Zähl nachts deshalb immer von einer Pause bis zur nächsten.

In der Prüfung zum Sportbootführerschein See stehen die Kennungen als Zeichnung, mit Funkeln und Pausen auf einem Band. Fragt die Prüfung, was ein Funkelfeuer ist, kreuzt du „50 bis 60 aufeinanderfolgende Lichterscheinungen pro Minute“ an. Warum das von der Verordnung abweicht, steht im Ratgeber zu Seezeichen und Betonnung.

Kennungen mit Wiederkehr

Zeichen Funkelfeuer Schnelles Funkelfeuer
Nord ohne Pause (Q) ohne Pause (VQ)
Ost 3 Funkel, Wiederkehr 10 Sekunden (Q(3) 10s) 3 Funkel, Wiederkehr 5 Sekunden (VQ(3) 5s)
Süd 6 Funkel und ein langer Blink, Wiederkehr 15 Sekunden (Q(6)+LFl 15s) 6 Funkel und ein langer Blink, Wiederkehr 10 Sekunden (VQ(6)+LFl 10s)
West 9 Funkel, Wiederkehr 15 Sekunden (Q(9) 15s) 9 Funkel, Wiederkehr 10 Sekunden (VQ(9) 10s)
Die Wiederkehr ist die Zeit, nach der sich eine Kennung wiederholt. Die Sekunden stammen aus der Empfehlung der IALA; die deutsche Verordnung legt nur Zahl und Art der Funkel fest. In Klammern die internationale Abkürzung aus der Seekarte.

Warum es zwei Geschwindigkeiten gibt

Liegen gleiche Kardinalzeichen nah beieinander, empfiehlt die IALA, ihnen unterschiedliche Kennungen zu geben. Funkelt dann ein Westzeichen schnell und ein anderes langsam, kannst du beide auseinanderhalten. Welches Zeichen es ist, sagt dir weiter das Muster.

Südkardinaltonne in der Dämmerung: gelb oben, schwarz unten, zwei schwarze Kegel mit den Spitzen nach unten, darüber leuchtet ein weißes Licht
Ein Südzeichen in der Dämmerung. Toppzeichen und Farbe sind noch zu erkennen, das weiße Feuer leuchtet schon.

Kardinalzeichen oder Einzelgefahr: der Unterschied

Ein Kardinalzeichen schickt dich auf eine bestimmte Seite, ein Einzelgefahrzeichen nicht. Das Einzelgefahrzeichen liegt auf oder nahe einer Gefahrenstelle, die rundum von schiffbarem Wasser umgeben ist. Du kannst es auf jeder Seite passieren, mit Abstand. Wie weit die Gefahr reicht und wie viel Abstand du brauchst, zeigt die Seekarte.

Es trägt zwei schwarze Bälle statt zwei Kegel und ist schwarz mit einem breiten roten Band. Ist es befeuert, zeigt es nachts zwei weiße Blitze, dann eine Pause.

Neue Gefahrenstellen

Eine neue Gefahrenstelle, etwa ein frisch gesunkenes Wrack, steht oft noch nicht in jeder Seekarte. In Deutschland wird sie mit denselben Kardinal- oder Einzelgefahrzeichen bezeichnet wie jede andere. Wegen der besonderen Umstände ist dann aber mindestens ein Zeichen doppelt ausgelegt. Siehst du zwei gleiche Zeichen nebeneinander, kann das eine neue Gefahrenstelle sein.

Kardinalzeichen auf Binnengewässern

Binnen sieht die Verordnung Kardinalzeichen nur auf Seen und seeartigen Erweiterungen vor, also dort, wo eine Wasserstraße zu einer offenen Fläche wird. Sie kommen dort zur übrigen Betonnung hinzu. Farben, Toppzeichen und Kennungen sind dieselben wie auf See, als Form nennt die Verordnung Spierentonnen und Schwimmstangen mit Toppzeichen.

Die Binnenverordnung hält die Regel ausdrücklich fest: „Der Name des Kardinalzeichens sagt aus, dass an der Seite des Zeichens vorbeigefahren werden soll, nach der es benannt ist.“ Im amtlichen Fragenkatalog für den Sportbootführerschein Binnen gibt es zu Kardinalzeichen keine Frage.

Kardinalzeichen-Trainer: neun Fragen

Vier Fragen zur Nacht, vier zum Tag und eine Prüfungsfrage. Die Erklärung erscheint nach deiner Antwort.

  1. Nachts siehst du voraus ein weißes Licht: drei schnelle Funkel, dann eine lange Pause, dann wieder drei. Auf welcher Seite der Gefahrenstelle fährst du vorbei?

    Drei Funkel wie 3 Uhr: Ostzeichen. Die Einzelgefahr zeigt zwei Blitze, keine Funkel.

  2. Sechs Funkel, danach ein Licht von gut zwei Sekunden, dann Pause. Welches Zeichen ist das?

    Den langen Blink hat nur das Südzeichen. Er hängt an den sechs Funkeln, damit sie nicht mit drei oder neun verwechselt werden.

  3. Ein weißes Licht funkelt gleichmäßig, ohne Pause. Was bedeutet das?

    Nord liegt auf 12 Uhr, und dort funkelt das Licht ohne Pause, langsam oder schnell.

  4. Neun Funkel, dann eine lange Pause. Wo ist das Wasser sicher?

    Neun Funkel wie 9 Uhr: Westzeichen. Westlich davon ist das Wasser sicher.

  5. Du fährst nach Norden. Voraus liegt dieses Zeichen. Wie fährst du vorbei?

    Spitze an Spitze ist das Westzeichen. Du bleibst westlich davon. Bei Kurs Nord liegt Westen links von dir, das Zeichen ist also östlich von dir und bleibt rechts, an Steuerbord.

  6. Wieder fährst du nach Norden, voraus liegt jetzt dieses Zeichen. Wie fährst du vorbei?

    Basis an Basis ist das Ostzeichen. Du bleibst östlich davon. Bei Kurs Nord ist Osten rechts, das Zeichen bleibt links, an Backbord.

  7. Du siehst nur dieses eine Zeichen, kein weiteres. Was weißt du?

    Beide Kegelspitzen unten, gelb über schwarz: Südzeichen. Eine Gefahrenstelle wird mit einem oder mehreren Kardinalzeichen bezeichnet, eines reicht also. Wie weit sie reicht, zeigt die Seekarte.

  8. Zwei schwarze Bälle, darunter schwarz mit rotem Band. Wie fährst du vorbei?

    Zwei Bälle bedeuten Einzelgefahr. Rundherum ist schiffbares Wasser. Befeuert zeigt das Zeichen nachts zwei Blitze.

  9. Was versteht man unter einem Funkelfeuer?

    So steht es im amtlichen Fragenkatalog. 100 bis 120 pro Minute zeigt das schnelle Funkelfeuer.

Die Zeichnungen folgen dem Zeichenverzeichnis der Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung, Anlage I, B.15. Die letzte Frage steht so im amtlichen Fragenkatalog für den Sportbootführerschein See (Frage 222).

Häufige Fragen zu Kardinalzeichen

Kardinaltonne heißt ein Kardinalzeichen, das als Tonne schwimmt. Kardinalzeichen können auch Stangen sein. Bedeutung, Farben, Toppzeichen und Kennungen sind dieselben.

Nördlich. Die Tonne liegt nördlich der Gefahrenstelle, und nördlich von ihr ist das Wasser sicher. Deine Fahrtrichtung spielt dafür keine Rolle.

Damit sechs Funkel nicht mit drei oder neun verwechselt werden. Der Blink dauert nach der deutschen Verordnung mehr als zwei Sekunden und folgt direkt auf die sechs Funkel.

Im amtlichen Fragenkatalog für den Sportbootführerschein See fragt keine Frage nach den Sekunden. Die Prüfung zeigt die Kennung als Zeichnung und fragt, welches Zeichen sie bedeutet. Dafür reichen die Zahl der Funkel und der lange Blink.

Ja, auf Seen und seeartigen Erweiterungen von Binnenschifffahrtsstraßen. Sie sehen aus wie auf See und bedeuten dasselbe. Im Fragenkatalog für den Sportbootführerschein Binnen kommen sie nicht vor.

Im Ausland kann das ein Notfall-Wrackzeichen nach der Empfehlung der IALA sein: blau und gelb senkrecht gestreift, mit einem gelben stehenden Kreuz als Toppzeichen, wenn vorhanden, und abwechselnd blauem und gelbem Licht. Die deutsche Verordnung kennt dieses Zeichen nicht. In Deutschland wird eine neue Gefahrenstelle mit Kardinal- oder Einzelgefahrzeichen bezeichnet, mindestens eines davon doppelt.

Quellen: Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung, Anlage I Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung, Anlage 8 ELWIS: amtlicher Fragenkatalog Sportbootführerschein See IALA R1001: The IALA Maritime Buoyage System IALA R0110: Rhythmic Characters of Lights on Aids to Navigation Geprüft am 7. Oktober 2026. Die Wiederkehr in Sekunden stammt aus den IALA-Empfehlungen R1001 und R0110; die Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung, Anlage I, B.15 legt Farbe, Toppzeichen und Art der Kennung fest. Fragenkatalog SBF See: Fragen 200 bis 209 und 220 bis 222.

Felix Schoberwalter

Geschrieben von

Felix Schoberwalter

Fachredaktion BootsschuleX

Zuletzt geprüft und aktualisiert am 7. Oktober 2026

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